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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Die Rabbiner-Versammlung von Frankfurt. 19

eine neue jüdische Religion zu bilden. In ihrem Programm konntensie selbstverständlich nur Verneinungen aufstellen: Verwerfung desTalmud, Verwerfung der Messiaslehre, da sie mit Leib undSeele der Berliner Heimath angehörteu, Rückkehr zur heiligenSchrift, aber nicht nach dem Wortlaute, sondernnach dem Geiste".Diese Verneinungen hielten und gaben sie als Bejahung:Wir wollenGlauben, wir wollen positive Religion, wir wollen Judenthum." Eswar eine Begriffsverwirrung, wie zur Zeit, als sich zuerst christlicheGemeinden mit halbjüdischeu Elementen bildeten, und selbst Helle Köpfeblieben nicht frei davon.

Zu einer Synode, zur Berathung einer Reform, die das Juden-thnm zu einem Abklatsch der lichtfreundlichen Kirche umstempeln sollte,kam es nicht. Zustimmungsadressen von verschiedenen Seiten zeigtensich hinterher als hohle Phrasen. Der Berliner Verein blieb jedochbei seinem Programm stehen, und da dieses bei den Massen keinenAuklang fand, so sollte es durch die in Frankfurt zusammengetretenezweite Rabbiner-Versammlung (Juli 1845) heilig gesprochen, d. h. alsdem Judenthum gemäß, anerkannt werden.

Diese Versammlung erregte mehr Spannung und leidenschaftlicheWärme als die erste, weil sich von der einen Seite die Berliner Reform-genossenschaft an ihren Zipfel anklammerte, um sie zu sich hiuüberzu-ziehen oder sie zum Falle zu bringen, und weil von der anderen Seiteein wissenschaftlicher Stimmführer der alten Partei sich ihr für einenAugenblick anschloß, um ihr ein Musterbild vorzuhalten, wie dieLäuterung des Judenthums vorgenommeu werden müsse, oder um ihrVerlegenheiten zu bereiten, falls sie sich zur Maßlosigkeit Hinreißen lassensollte. Zacharias Frankel (geb. zu Prag 1801, starb in Breslau1875), obwohl im Talmudismus erzogen, gehörte nicht zu den Stock-talmudisteu. Seine wissenschaftlichen Forschungen und sein kritischerSinn hatten ihn zu der Ueberzeugung von der Berechtigung, ja derNotwendigkeit mancher Reformen gebracht. In seiner Jugend hatte ereinen Strauß mit den Stockfrommeu herausgefordert. So war er derMann der rechten Mitte, ebenso weit von Geiger's und Holdheim'sStürmerei, wie von Raphael Hirsch's Mumienverehrung entfernt. Erstellte ein Prinzip für die Erkeuntniß der Zulässigkeit oder Unzulässig-keit der Neuerungen auf, das lediglich einem Totengerichte ähnlich ist.Er machte damit um so eher Schule, als ihm vermöge seiner Thätig-keit als Rabbiner und seiner Leistungen als Forscher die Führerschaftzuerkanut wurde. Durch diese beiden Schwergewichte hin- und her-gezogen, gerieth die Versammlung in eine schwankende Lage. Ihr erster,nickt unerwartet erfolgter Beschluß, daß die hebräische Sprache aus