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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Die Befreiung der Dcimciscener Märtyrer. 493

Wie erstaunten aber die beiden Vertreter der Jndeiiheit, als ihneneine Abschrift von Mehemet Ali's Befehl in türkischer Sprache znging,und der sprachkundige Munk die Worte vorlas:Die Herren MosesMontefiore und Crümicnx haben mich gebeten, die gefangenen Indenin Damaskus zu begnadigen nnd ihnen Befreiung zu gewähren"(^.slllub ^trr ri-tnodliok ssoil). Es sollte so viel anssagcn, daß dieDamascener Angeklagten allerdings schuldig befunden worden seien,daß aber der Pascha Gnade für Recht habe ergehen lassen. Cochelet'sHand war dabei im Spiele, damit Natti-Menton und die mönchischenHenker in Damaskus gedeckt sein sollten. Crsmieux eilte sofort zumPascha, machte ihm begreiflich, daß der AusdruckBegnadigung" einenMakel an den Angeklagten und somit auch an der ganzen Judenheithaften lasse, weil sie dadurch als strafbar erklärt werden. Er verlangte,daß dafür gesetzt werdeFreiheit und Ruhe" (Itlük u-tsmvlll). MehemetAli ließ diese Aenderung im Fermau anbringen, und somit warenCochelet's letzte Ränke vereitelt; er war voller Bestürzung. Crsmieuxsprach dabei die denkwürdigen Worte:Jetzt erst sind wir vollkommenglücklich. Heute erheben sich in allen Synagogen Alexandriens Segens-wünsche für Ew. Hoheit. In weniger als einem Monat wird manin allen israelitischen Tempeln Europas die Wohlthaten des Himmelsauf Sie herabbeschwören, und in zwei Monaten wird Ihr Name aufdem Erdenrunde gesegnet und gepriesen werden."

Sobald der Befehls in Damaskus eiutraf, mußte Scherif-Pascha,der Mehemet Ali's Strenge kannte, die noch im Kerker befindlichenneun jüdischen Gefangenen sofort freilassen (6. Sept.), ohne Ratti-Menton zu befragen. Es waren darunter sieben, welche von denFolterqualen verstümmelt und nur zwei, welche verschont gebliebenwaren. Vier Schlachtopfer waren gefallen, die Greise David Arari,Joseph Laniado und zwei Zeugen. Sobald die Nachricht davon sich

') Der Ferman Mehmet-Ali's an Scherif-Pascha lautete iMan hat unseine Vorstellung der Herren Moses Montefiore und Crsmieux cingereicht, welchederen Bitten und Hoffnungen enthält. Sie sind abseiten aller der sich zurmosaischen Religion bekennenden Europäer zu uns abgesandt worden. Siebitten uns, diejenigen ihrer Religionsgenossen, welche in Folge der Untersuchungüber das Verschwinden des Paters Thomas und seines Dieners Ibrahim imMonate Dsy'lidge 1255, verhaftet sind, durch unfern Befehl auf freien Fuß zustellen, und die Ruhe derjenigen, welche die Flucht ergriffen haben, zu sichern.Wir haben es für angemessen erachtet, den Wünschen und Hoffnungen der Ab-geordneten einer so zahlreichen Bevölkerung zu entsprechen. Demzufolge befehlenwir, daß alle diejenigen Juden, welche eingekerkert worden, in Freiheit zu setzenseien; denjenigen, welche ihren Heerd verlassen haben, soll die größtmögliche Sicher-heit gegeben werden, das; sie znrückkehren können. Jeder möge sich wieder ansein Geschäft, seinen Handel oder seine sonst gewöhnlichen Arbeiten begeben"