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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

von schamlosen Wichten gebrandmarkt wurde. Damals hatten sichebenfalls die durch Bildung, Hochsiun und Reichthnm hervorragendenJuden zusammengethan, Philo an der Spitze, nm die lügenhafte Ver-läumdung zu entlarven *). Aber die Alexandrinische Versammlunghatte, von Feindseligkeit umringt, zitternd getagt, die Londoner dagegenfühlte sich ermnthigt, umgeben von dem Wohlwollen und der Sympathieder hauptstädtischen Bevölkerung. Auch in der zweiten englischenGemeinde Manchester fand eine ähnliche Versammlung der Juden statt.

Durch solche Kundgebungen des Sieges gewiß, schickte sichMontefiore zur wichtigen Reise an, mit Empfehlungsschreiben vonden Staatslenkern versehen und begleitet von den Segenswünschenvon Millionen Menschen, unter denen die der Königin Victorianicht fehlten. Sie ertheilte ihm eine Audienz zum Abschiede undstellte ihm ihr Staatsschiff zur Verfügung, welches ihn über denKanal setzen sollte, gewiß eine außerordentliche Gnnstbezeugungund Theilnahme an dem Geschick der Juden. Sie verstand sich aberdamals so sehr von selbst, daß nicht viel davon die Rede war.Montefiore war von Louis Löwe, einem jüdischen Sprachkundigen, be-gleitet, der im Morgenlande Reisen gemacht hatte. Er wurde auch voneinem Rechtskundigen und seiner Frau Judith begleitet, die es sich nichthat nehmen lassen, die Beschwerden ihres Gatten auf dieser Reisefür die Sache ihres Volkes zu theilen. Sie war das Ideal einesjüdischen Weibes, gebildet, hochsinnig, stolz auf ihr Bekenntniß undihrer Abstammung treu ergeben, eine erfreuliche Lichtseite zu demSchattenbilde jener drei Berlinerinnen, welche dem Jndenthnme soviel Schmach angethan hatten. Wenn die einst gefeierte und zuletztvergessene Henriette Herz, welche diese Vorgänge noch erlebte, in ihremAlter Verständniß für diese überraschende Wendung gehabt hat, somuß sie sich ihres Abfalls vom Judenthum tief geschämt haben. Dennsie war geschaffen, eine Judith zu werden, wenn sie sich nicht vonEitelkeiten zum Verrath an sich und ihrem Stamme hätte verleitenlassen. Ehe Montefiore mit seiner Begleitung England verließ,erachteten es die beiden Rabbinen der deutschen und portugiesischenGemeinde Salomon Herschel (starb 18422 ) und David Meldola,für nöthig, einen feierlichen Eid zu wiederholen, den Manasse Ben-Israel und Mose Mendelssohn abgelegt hatten: daß die Blutanklagegegen die Juden auch nicht den Schatten eines Beweises im talmu-dischen Schriftthume habe und eben so wenig je durch irgend eine Hand-

') S. B. HI, 4. Ausl., S. 323 ff.

2 ) Sohn Hirsche! Levin's von Berlin und Brüden Saul's o. S. 151. S.Orient, Jahrg. 1843. Litbl. col. 40. (Landshuth rr> 'Lvn nni>'n, S, 110 f.j.