Freisprechung der Juden von Nhodus. 477
als Rechtfertigung seines Benehmens zum Schutze Picciottos, welchener zunächst seinem Borgesetzten, dem Gcneralconsul von Egypten, über-mittelt hatte, wurde von diesem als wahr anerkannt und dem öster-reichischen Minister Metternich zugeschickt. Obwohl Feind der Oeffent-lichkeit, hatte Metternich doch sämmtliche für die Inden günstigeSchreiben durch die Zeitungen verbreiten lassen. Durch diese Dar-stellung wurde Ratti-Menton, den die klerikalen Jntrignen als einenLichtengel verherrlicht hatten, als boshafter Teufel an den Prangergestellt. Sie führte einen Umschwung in der öffentlichen Meinung her-bei, ermuthigte die Inden und ließ den Sieg der gerechten Sachevoraussehen. Entsprang Metternichs Theilnahme aus eigenem An-triebe, aus Unwillen über die begangene Grausamkeit, oder anspolitischer Feindseligkeit gegen Frankreich, um dessen Macht im Morgen-lande zu brechen, oder endlich aus Gefälligkeit gegen das Haus Roth-schild, dessen sämmtliche Mitglieder sich in dieser Sache außerordentlicheifrig für ihre Glaubensgenossen angenommen hatten? Wir wissen esnicht. Jedenfalls ermuthigte Metternich die österreichischen Agentenin Egypten und Syrien, standhaft für die Inden einzntreten.
In Constantinopel, im Divan des Sultans, setzten die den Indenfreundlichen Vertreter der europäischen Regierungen die Revision desBlutprozesses auf der Insel Rhodns durch. Es war jüdischen Depu-taten endlich gelungen, von Rhodns nach Constantinopel zu gelangen.Auch Nathanael von Rothschild hatte sich dahin begeben, und in Folgedessen erließ Abdul Megid einen Ferman (vom 27. Juli), daß diegriechische Bevölkerung drei Primaten als Ankläger und die Judenebenso viel ihrer Vorsteher als Bertheidiger nach der Hauptstadt sendensollten. Ein eigenes Tribunal wurde dafür unter Vorsitz des Risaat-Bey zur Untersuchung eingesetzt, und der Erfolg war, daß Jussnf-Pascha seines Postens als Statthalter von Rhodns entsetzt und diedes Kindesmordes angeklagten Inden vollständig freigesprochen wurden.Außerdem wurde ihnen bedeutet, den Ersatz des erlittenen Schadensvon denen einzuziehen, die sie ungerechter Weise beschuldigt hatten,nämlich von einigen europäischen Consuln. In drei Monaten war dieSache erledigt (Auf. Mai bis gegen Ende Juli). Bei Mehmet Aliging es indessen nicht so leicht. Er hatte zwar schon anfangs Aprildem österreichischen Gcneralconsul Lanrin versprochen, den Grausam-keiten ein Ende zu machen; aber der französische Gcneralconsul Cochelethielt ihn zurück, und, allzu leichtgläubig auf Frankreich vertrauend,mochte er sich mit dem Agenten der französischen Regierung nicht an-legen. Aber Lanrin war ebenfalls unermüdet, nach der Weisung Met-ternichs den Pascha von Egypten aus der Schlinge der französischen