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Geschichte der Juden.
die Schwächlinge zur Taufe zu bewegen. Die Veranlassung soll klein-licher Art gewesen sein, die Verkennung eines Juden mit ausgeprägtchristlichem Namen als eines Christen. Noch war das Selbstgefühlder Inden nicht erstarkt genug, um die beabsichtigte Demüthigung mitWürde zu ertragen. Viele Juden in den großen Städten, besondersin Berlin, die der Kirche näher als der Synagoge standen, erblicktendarin eine Geringschätzung und flehten die Gnade des Königs an, sievor dieser unverdienten Verachtung zu schützen. Sie jammerten, alssollten sie von neuem in die Verbannung gestoßen werden. Diesekomische Traurigkeit lassen die „Klagen eines Juden" in Psalmenartwiederhallen: „Die Kinder aus meinem Volke kamen zu mir, klagtenund weinten. Die Greise nahten und die Mütter, und banger Schmerzmalte sich in ihren Zügen. Ich fragte die Kleinen: Was weinet ihrschon so frühe? Und zu den Alten sprach ich: Was klagt ihr nochso spät? Die Kinder lallten: Ach — wir sollen nicht mehr die Hellen,schönen Namen der Christen tragen, sondern die dunkeln und häßlichender Juden. Wir sollen schon gezeichnet sein bei den Spielen! — Unddie Greise sagten: Es leert sich wieder der Köcher des Zorns überuns und nnsern Kindern droht Elend und Gefahr! — Da Hab' icherwidert .... Tröstet Euch, seid stille und traget mit Stolz diestolzen Namen der Väter. Das sind Heldennamen, ruhmgekrönteMärtyrernamen, von uraltem Adel, von uraltem Ritterschlag. — Alsdas Abendland noch in wüster Rohheit versunken war, da blühtenschon Eure Namen in unsterblichem Glanz, weltbeherrschend, welt-erleuchtend und welterlösend . . . Denn das will ich Euch sagen: eheder Zeiger der Geschichte sich wendet, werden manche Prunkende Namendes Abendlandes von der Erde weggemüht sein wie Stoppeln durchdie scharfe Sichel; aber so lauge die Zeit währt, werden königlich inihr thronen die Namen Abraham, Mose, Jesaias^).
Joel Jakoby, der Sohn eines stockfrommen Vaters, hat allerdingsin seine „Klagen eines Juden" viel Unwahres, phantastische Em-pfindelei, einen erheuchelten Schmerz und viel Christelei hineingelegt.Aber manche seiner Elegien sind warm empfunden und schön geformt.„Im Traum schaut' ich den Genius meines Volkes. Kein prunkendesFaltengewand umhüllte jugendliche Glieder, keine flüchtige Schwingetrug ihn sieggekrönt von Land zu Land .... Asche deckte sein greisesHaupt, deckte den schwankenden Fuß, und erborgte Fetzen schützten dasmatte Gebein. Aus tausend Wunden blutete sein Leib und immerneue Messer bohrte man in seine Glieder .... Aber unter dem alten
i) Jacoby, I. a. a. O. S. 27 ff.