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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

neuen Partei zu- werden. Kaum war das westphälische Consistoriumernannt, und er an die Spitze desselben gestellt (o. S. 281), so trater mit Neuerungen hervor, die zwei Seiten hatten. Ans der Syna-goge, welche mit der für die Jugend in Cassel nenerrichteten Schaleverbunden war, ließ er alles Häßliche, Anstößige, Lärmende, besondersden Singsang beim Gottesdienst, entfernen. Das Predigen in deutscherSprache verstand sich bei Jacobson von selbst, er führte auch neue,der Kirche entlehnte Formen und Weisen ein: deutsche Gebete nebenhebräischen, neue, schale deutsche Lieder neben den inhaltsreichen, tiefenPsalmen, das Ablegen des Glaubensbekenntnisses (Konfirmation) fürKnaben und Mädchen bei ihrem Eintritt in ein reiferes Alter, das imJndenthume keine Wurzel hat. Für das Beschämende und Lächerliche, dasdarin lag, der ergrauten Mutter den schimmernden Plunder der Tochterumzuwerfen, der sie mehr entstellte, als zierte, dafür hatte Jacobson keinGefühl. Was ec in Cassel für das Allgemeine nicht einzuführen ver-mochte, brachte er auf einem anderen Wege in Aufnahme. Die Ein-weihung seines auf eigene Kosten erbauten geschmackvollen kleinenTempels in Seesen *) geschah unter großer Feierlichkeit. Die An-kündigung derselben hatte viele Neugierige, noch mehr Christen als Juden,herbeigezogen. Die Kirchenglocken läuteten dazu. Die anwesende Mengeivurde durch rauschende Orgeltöne überrascht. Die Orgel war dieKrönung seines Reform-Gebäudes. In seinem Tempel konnte Jacob-son den Hohenpriester spielen, feurig Predigen, neue Schlagwörter Vor-bringen:Aufklärung, Zeitgeist, Fallen der Scheidewände zwischenChristen und Juden, Andachtserweckung." Er hatte die Genugthnung,daß ein Domprediger aus Halberstadt diese Feier mit gutgemeintenVersen verherrlichte:

Mit Roms und Augsburgs Glaubenssöhnen

Weilt Aarons Enkel Hand in Hand."

Die Eitelkeit sich zu zeigen, von sich reden zu machen und über-haupt eine Rolle zu spielen, und die Sucht, es in Allem und Jedemden Christen gleich zu thun und ihren Beifall zu erhaschen, ließ ihnzu verkehrten Mitteln greifen und ein bedenkliches Reform-Programmzur Versöhnung des Alten mit dem Neuen aufstellen.

Jacobson hatte so viel Gewalt über seine Genossen im west-phälischen Consistorium, daß sie, und unter ihnen selbst der greiseRabbiner Löb Berlin, diese Neuerungen stillschweigend Hinnahmen.Er ging daher damit um, dieselben in sämmtlichen Gemeinden deswestphälischen Königreichs einzuführen unter Androhung, die Synagogen

Am 17. Juli 18U1; vgl. o. S. 279.