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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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344
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Geschichte der Juden.

Erniedrigung in seinen Augen hätte adeln müssen, zu verlassen, undnoch dazu ein erlogenes Bekenntniß abznlegen, ist für einen lauternCharakter wie Börne schwer zu entschuldigen. Alsbald erfuhrDeutschland, daß ihm ein Schriftsteller erstanden war, der an Lessingerinnerte, der aber mehr als Lessing war, weil er die Kunst nicht anseinsam eisige Höhen, sondern in die Ebenen des Lebens verpflanzte.Börne hielt den Deutschen einen treuen Spiegel vor, in dem ihnendie verzerrten Züge ihrer versteinerten Vorurtheile entgegenstarrten.Wie richtig hat er dieses kernige Volk mit der häßlichen Rinde gemalt,bald alsGeheimrathswaise", bald alsträumerischen Hamlet,der vor lauter Dichten und Denken nicht zur That gelangen kannoder gar durch seine Ungeschicklichkeit Unschuldige verletzt oder tödtet!"Börnes Witz traf um so empfindlicher, als man in jeder Wendungdie Wahrheit des Gemäldes und die Aufrichtigkeit und Unbestechlich-keit des Malers erkannte. Man sah es ihm an, daß er mit seinemHerzblute und seinem Nervensafte" schrieb, und darum machte seinWort, wie schwerwiegende Thaten, einen tiefen Eindruck.

Im Hep-Hep-Jahre konnte er zu den Tollheiten und Rohheitennicht schweigen und schriebfür die Juden".Für Recht undFreiheit sollte ich sagen; aber verstünden das die Menschen, dannwäre keine Noth, und es bedürfte der Rede nicht." Er hat darinauf die Thoren mit Fingern gewiesen und den Bösewichtern ins Ge-sicht geleuchtet.In dem Judengemctzel der vergangenen Zeiten,

meinte er, lag eine Art verhängnißvolle Nothwendigkeit. Es scheintaus einem dunklen, unerklärlichen Gefühl entsprungen zu sein, welchesdas Judenthum einflößt, das wie ein Gespenst, wie der Geist einererschlagenen Mutter, das Christenthum von seiner Wiege an höhnendund drohend begleitete." Börne zerfaserte darauf den deutschen Juden-haß in seine Bestandtheile und zeigte hinter jedem derselben eine Ab-geschmacktheit. Ein anderes Mal (1820) sagte er ihnen die derbeWahrheit:dem deutschen Volke verzeihe ich den Judenhaß, weil esein Kindcrvolk ist, und darum, eben wie die Kinder, um einst freiauf den Füßen stehen zu können, einer Laufbank bedarf, damit es anden Schranken der Freiheit die Schranken entbehren lerne. Dasdeutsche Volk würde hundertmal im Tage umfallcn, wenn es ohneVorurtheile wäre. Aber den einzelnen erwachsenen Menschen kannich den Judenhaß nicht verzeihen')."

Einen neu aufgetauchten Judenfresser, Or. Ludwig Holst ausHamburg, der den Judenhaß in ein philosophisches System gebracht

') In dem ArtikelEine Kleinigkeit", Ges. Schr, B. II, S. 326.