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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

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Der Beruf des Menschen sei, mit seinem Geiste, dem Bewußtsein seinerSelbstheit und seiner Persönlichkeit, einen Vernunft' oder einen Rechts-staat zu gründen. Das Gewissen, das dem Menschen unter allenWesen allein eigen ist, die Gewißheit seiner Pflichtigkeit, das unver-brüchliche:Du sollst, du sollst nicht du darfst, du darfst nicht",dieser Inhalt des menschlichen Geistes soll sich in der Gesellschaft, imGemeinwesen, in den Gesehen des Staates verwirklichen. Fichte warein zu tiefer und scharfer Denker, um nicht einzusehen, daß eine un-ausfüllbare Kluft zwischen seinein idealen Rechtsstaat und den bestehendeneuropäischen Gemeinwesen oder monarchisch-despotischen Staaten undder versteinerten Kirche bestand. Die Zertrümmerer der französischenMonarchie hatten ihn allerdings in diese Kluft Hineinblicken lassen.Er, der so gerne mit hastigem Ungestüm das für wahr Erkannte zuverwirklichen strebte, legte sich die Frage vor:Ist es nach dem Denk-gesetze oder (was dasselbe ist) nach dem Sittengesetze gestattet, Revolutionzu machen, den bestehenden Staat zu zertrümmern und einen neuen,auf Vernunft und Recht begründeten, aufzubauen?" Oder in seinerSprache:Ist das Recht, die Staatsverfassnng zu ändern, durch denVertrag Aller mit Allen veräußerlich?" Er widmete dieser Unter-suchung ein ganzes Buch, worin er dem despotischen Königthum, demhochmüthigen Adel und der Geistlichkeit wuchtige Schläge versetzte,allerdings ohne seinen Namen zu nennen, und vom sichern Hafen,von der republikanischen Schweiz, aus. Seine Hanptbeweise sür dieBerechtigung zur Revolution hatte er aus einer Fiktion hergenommen.Die in sich gefestigte, geistige, freie Persönlichkeit des Menschen findein ihrem Bewußtsein Pflichten, aber auch Rechte, und zwar solcheRechte, die sie nicht aufgebe», übertragen oder veräußern könne, wennsie sich eben damit nicht selbst aufgeben und zur Sache oder zumThiere hcrabsinken wolle. Solche unveräußerliche Rechte des Menschenseien die auf seine Freiheit, seine Ueberzeugnng, seine eigene Ausbildungund Entwickelung. Hätte sich der Mensch auch geradezu durch einenVertrag verpflichtet, in einem despotischen Staate z.u leben und ihmin Allem zu gehorchen, so dürfte er sich vermöge seines unveräußer-lichen Rechts von diesem Vertrage lossagen, sich von diesem Bandelosmachen oder Revolution machen. Wenn der Einzelne dieses Rechthabe, so haben es auch Viele, die auch die Befugniß haben, sich, sowie sie sich vom bestehenden schlechten Staatsverbande getrennt haben,zu einem eigenen Gemeinwesen zusammenzuschließen. Aber entstündenda nicht lauter Staaten im Staate? Dieser Einwurf erschreckte Fichtenicht. Er führte Thatsachen auf, daß solche Staaten im Staate selbstbei despotischen, streng gegliederten Verfassungen bestehen. Solche seien