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Geschichte der Juden.
an ihren ehemaligen Unterdrückern nehmen können. Wohlan! Durch-blicket die Geschichte jener Zeit, wenn Ihr unter den Parteigängernder Schreckensmänncr einen einzigen Inden findet, den doch die er-littenen Leiden hätten theilweise rechtfertigen können, so überlasse ichAlle dem Geschicke, welches uns alle niederbengt. Ihr werdet sie auchnicht unter den entarteten Söhnen finden, welche Feuer und Schwertin einen Theil des Vaterlandes (VsnciLs) gebracht haben. Wohl aberwerdet ihr sie ans dem Wege der wahren Ehre und des militärischenRuhmes finden, wie sie ihr Blut zur gerechten Vertheidigung derGrenzen verspritzten und mit ihrem Mnthe die Bewunderung ihrergroßmüthigen Feinde erregten. — Mit diesem erhabenen Akte", soschließt Michael Berrs Aufruf an die Könige und Völker, „mit derBefreiung der Juden von Druck und Schmach, mit ihrer vollständigenGleichstellung in ganz Europa, wie in Frankreich und Holland — müssedas neue Jahrhundert beginnen, dessen Andenken der Nachwelt daswunderbare Bild von zugleich großen und traurigen Ereignissen über-reichen wird."
Dieser für seine Stammesgenossen begeisterte Jüngling predigtetauben Ohren, seine Feuerworte und überzeugenden Gründe fandenkeinen Wiederhall in den Herzen der osteuropäischen Völker. InOesterreich, Preußen und den zu Hunderten zählenden kleinen deutschenStaaten blieben die Inden in der alten Erniedrigung. Die französischeRevolution und ihr befreiender Einfluß machte die Deutschen nur nochverstockter gegen die Juden. Weil sie jenseits des Rheins und derAlpen als Ebenbürtige behandelt wurden, darum sollten sie diesseitsgedemüthigt und verachtet bleiben. Alle Selbstverachtung und Kriechereigegen die bestehende Kirche von Seiten der Berliner aufgeklärten Judenführte sie nicht einen Schritt weiter. Die Kultur, welcher sich immergrößere jüdische Kreise znwendeten, für welche sie ihre eigenen Schätzeachtlos wegwarfen und fremden Tand aus Ueberschätzung als Kleinodienaufnahmen, frommte ihnen zu nichts. Nathan der Weise und DohmsEmancipationsschrift waren für die Deutschen umsonst erschienen. DieVorurtheile gegen die Juden nahmen wo möglich noch mehr zu: die„Kölbele" vervielfältigten sich. Geistig und staatlich geknechtet, wie damalsdie Deutschen waren, schien ihnen die Knechtung und Verachtung derJuden ein Labsal und ein Trostmittel zu sei». Sie glaubten sichselbst frei fühlen zu dürfen, weil sie unter sich noch eine Klasse vonMenschen erblickten, die sie ungestraft höhnen und mißhandeln durften.In Berlin selbst, dem Sitze der Aufklärung, wurden die jüdischenAerzte, so groß auch ihr^Ruf war, nicht im Verzeichniß der christlichenFachgenvssen, sondern abgesondert aufgeführt, gewissermassen in ein