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Geschichte der Juden.
zum feurigen Redner, dessen Beredsamkeit Poetisch gefärbt war. MichaelBerr (geb. 1780 starb 1843 ^), ein würdiger Sohn des für dieEmancipation der Inden in Frankreich so eifrigen Isaak Berr, erregteschon in der Jugend durch seine schöne und edle Gestalt und seinehohe Begabung große Erwartungen. Der Geschichtsschreiber Johannesvon Müller glaubte von ihm, er werde der Esra seines Volkes werden.In Michael Berr vollzog sich zuerst die innige Vermischung desjüdischen und französischen Geistes. Er war der erste jüdische Rechts-anwalt in Frankreich. Ein Fehler hinderte ihn, einen tiefen Eindruckauf die Zeitgenossen und die Nachwelt zu machen, seine allznleichtübersprudelnde Sprach- und Schreibfertigkeit. Mit hochfliegendemJugendmuthe und in der Gluth seiner Feuerseele faßte dieser Jünglingim Beginn des neuen Jahrhunderts beim Friedensschluß einen kühnenGedanken. Ein Congreß der europäischen Fürsten wurde erwartet.An diese und an ihre Völker richtete Michael Berr einen „Aufrnf"im Namen „aller Einwohner Europas, welche die jüdische Religionbekennen" (1801), den Druck von den Juden abznthun und ihnen dieso lange vorenthaltene Gerechtigkeit zu gewähren. Aus diesem Jüng-ling sprach die Stimme des verjüngten Israel; sie lud seine Schergenund Henker vor das Weltgericht der Geschichte, nicht um von ihmRache zu verlangen, sondern um die Folgen der dem jüdischen Stammezugefügten Frevelthaten anfzuheben. Berrs Aufruf galt besondersden Deutschen, dem Volke und den Fürsten, welche noch immer dieunter ihnen wohnenden Juden als gebrandmarkte Kammerknechte be-handelten, während sie in Frankreich als gleichberechtigte Glieder dergroßen Nation den Kopf hoch tragen durften.
Mit gerechtem Stolz sagte Michael Berr den Verächtern: „Nichtals Glied der unterdrückten Klasse rufe ich die Gerechtigkeit der Königeund Nationen au... denn laut sage ich es: die französischen Judensind endlich in die Menschenrechte eingetreten, und Viele sind schonnützliche Bürger geworden. Als französischer Bürger, als Freundder Menschheit trete ich auf, die gerechte Sache vorzutragen für die,deren Laster nur durch den erbitterten Haß ihrer Feinde entstandensind, deren Tugenden aber sie sich selbst zu verdanken haben". Mit
st Die biographischen Notizen über ihn und das Verzeichnitz seiner Schriften sindzusammengetragen bei Oarmolz' a. a. O. III, p. 63, 122. ^.rolüvss Israslitss,Jahrg. 1843, S. 714 ff., Jahrg. 1844, S. 109 ff. 168 ff. Joh. v. Müller schriebüber ihn an seinen Bruder 12. Febr. 1808 (biograph. Denkwürdigkeiten V,S. 181): „Neulich habe ich mit einem jungen Israeliten (so heißen sie jetzt)Michel Berr eine angenehme Bekanntschaft gemacht : ... Ich glaube denBerr behalten wir als Haupt oder Schreiber seines Volkes; er ist, wie lilsra,Sopber ^labir. ein schöner Jüngling, voll Würde."