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Geschichte der Juden.
durfte sich herausnehmen, ihnen eine Art verblümter Strafpredigt zuhalten. — Zur Erfüllung der Bürgerpflichten gehöre vor AllemEinsicht und allgemeine Kenntnisse, gerade das, was ihnen durch derZeiten Ungunst abhanden gekommen, sagte er ihnen. Es sei dahernothweudig, solche wieder zu erwerben; damit solle indeß der jüdischenUeberzeugung kein Abbruch geschehen. Denn das Judenthum müssevor Allem von der Strömung der Zeit unberührt bleiben. „Wennwir während des langen Verlaufs unserer Trübsal nicht selten Trostin dem strengen Befolgen der Vorschriften unserer Religion gefundenhaben, so müssen wir um so mehr ihnen anhänglich bleiben in einerZeit, in der uns vergönnt ist, die Früchte unserer Standhaftigkeitund unserer Liebe zu unserem Cultus zu genießen, wo wir wiedermit eigenen Augen sehen, daß wir die einzigen unter den altenVölkern sind, welche bei dem ungestümen Anprall von Unfällen, dieso viele Jahrhunderte hindurch auf einander folgten, fest gebliebensind. Und sollten wir nur den Muth gehabt haben, in der achtzehn-hundertjährigen Verfolgung treu zu bleiben, um bei dem ersten Auf-blitzeu des Freiheitsstrahles abtrünnig zu werden?" — Aber unbe-schadet der Treue in der Religion müßten die Juden ihren Geist derAbgeschlossenheit, der Genossenschaftlichkeit aufgeben, sich dem Staateeng anschließen, ihr Eigenthum, erforderlichen Falles auch ihr Lebenfür ihn zum Opfer einsetzen. Das sei der Sinn des ihnen auferlegtenBürgereides. Ganz besonders müßten sie auf Weckung des pat-riotischen Sinns und auf Ausbildung der Jugend bedacht sein.
Berr gab den französischen Inden auch die Mittel an die Hand,zugleich volle Franzosen zu werden und dennoch dabei Glieder desHauses Jakob zu bleiben. Die Bibel sollte nach Mendelssohnsdeutscher Uebersetzung ins Französische übertragen und der Jugendbeigebracht werden, damit die verdorbene deutsche Sprache vollständigaus ihrem Kreise verbannt werde. Er bekämpfte damit ein thörichtesVorurtheil, welches die deutsche oder jüdisch-deutsche Mundart alsein dem hebräischen an Heiligkeit verwandtes, würdigeres Organ fürden Gottesdienst betrachtete, als die Sprache Voltaires. „Ich selbst,der ich schreibe, verhehle meine Uuerfahrenheit und meine Schwäche inder französischen Sprache nicht, und doch ziehe ich es vor, mit Euchin derselben zu verkehren, um zu beweisen, daß die Hebräer überjeden Gegenstand und auch über religiöse Dinge sich in dieser Spracheverständigen können." Freilich müßten sie, um zugleich die Bibel zuverstehen und sich in die französische Sprache hincinleben zu können,gute Schulen errichten und viele Geldopfer bringen. Das sollten sieauch, und zwar könnten sie die Summen dazu verwenden, die sie