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Geschichte der Juden.
aussprechen. Verbannen wir dieses Wort aus unserer Sprache, wennman darunter die wortbrüchige Kunst versteht, die Menschen zu be-trügen und ihre Fesseln zu erschweren, unter dem Vorwand, ihreInteressen zu schonen. Es ist aber auch politisch, die französischenJuden aufzunehmen, weil ihre Zulassung dem Lande zum Nutzengereichen wird. Die Arme und die Kapitalien der Inden, als Bürgerdem Vaterland eingefügt, werden das Unrecht der alten Verwaltungwieder gut machen. Im Augenblick, wenn die Sonne der Freiheit inFrankreich diejenigen bescheinen wird, welche darin geboren wurdenund sich daselbst niederlassen, werden die Juden von allen Theilender Welt herbeiströmen, und das Land wird neue nützliche Unter-thanen durch ihre Thätigkeit, ihre Schätze und ihre Arbeit erlangen.Machet nur keinen Einwurf von Seiten ihrer Religion. Es giebtnur einen Punkt, unter welchem die Religion den Staat angeht: vonSeiten der Moral, und in dieser Beziehung kann man den Judenkeinen Vorwurf machen. Die Moral der Hebräer wie der Christengründet sich ans die zwei Grundsätze der ewigen Wahrheit: „„Liebe
Deinen Nächsten wie Dich selbst, und thue nicht Anderen, was Dunicht willst, daß man Dir thue."" Kann die Gesellschaft Menschenfürchten, welche eine solche Lehre bekennen? Ein Mitglied bemerkte,„der Himmel selbst widersetzt sich den Wünschen der Juden nachBürgerrecht; sie sind und bleiben der Gegenstand seiner Rache; derBeweis davon ist in ihrer Physiognomie geschrieben". Mit kräftigenWorten widerlegte Bertolio diesen Schlupfwinkel der Eigenliebe,welche das eigene Unrecht zu beschönigen sucht, um es dem Himmelzuzuschreiben. Mit dieser Sophisterei könnte man die größten Ver-brechen an der Menschheit rechtfertigen, meinte er. Ein anderesMitglied wollte die Juden in ihrem eigenen Interesse beschränkt wissen,damit die Wuth des Volkes sich nicht gegen sie kehre. Er führte dasBeispiel des Parlaments von England von 1754 an, welches dasden Juden bewilligte Bürgerrecht ihnen wieder entzog, um einenAufruhr des Volkes gegen sie zu beschwichtigen (o. S. 47). „DiesesBeispiel darf uns nicht abschrecken," entgeguete Bertolio. „Es beweistnur, daß der gesunde Theil Englands zu dieser Zeit der Meinungwar, die ich ihnen Vorschläge, und daß das Volk damals noch un-fähig war, sich auf gleiche Höhe mit seinen Gesetzgebern zu stellen.In Frankreich aber herrscht gegenwärtig weit eher der Geist der Ge-rechtigkeit als damals in England, und darum ist der Augenblickgünstig, auch diesem Lande ein Beispiel zu geben, nachdem wir so vielevon ihm empfangen haben."