Die Gleichstellung der Juden in den Sectionen von Paris. 193
Salti nd Hurwitz — traten als Deputirte vor die Communal-Ver-sammlung mit der Bitte: die Stadt Paris selbst möge sich nach-drücklich für die Gleichstellung der Juden verwenden. Godard hielteine feurige Rede zu ihren Gunsten: „Die Hauptstadt ist jenem solange hintangehaltenen Gesetz vorausgeeilt, sie hat sich mit denJuden als Waffengefährten vermischt, hat sie mit dem Bürgerkleidegeschmückt und sie überhaupt als Brüder behandelt." Die PariserJuden seien auch dessen würdig durch den patriotischen Eifer, der sievom Beginn der Revolution an beseelt hat, sie zu den Waffen greifenließ und aus ihnen muthige und unermüdliche Kämpfer gemacht undihnen Gelegenheit gegeben hat, zu zeigen, daß sie dem Heil und demGedeihen der Nation durchaus ergeben seien. Die Stadt Paris,welche bereits so viele Vorurtheile zerstört habe, sei berufen, auch die-jenigen, welche der Befreiung der Juden im Wege stehen, zu vernichten.Sie möge daher für die Pariser Juden ein günstiges Zeugniß vorder Nationalversammlung ablegen, „daß sie vor der Revolution stillund unbescholten und seit derselben patriotisch und opferbereit gelebthaben." Godard wies ans das Beispiel des Salkind Hurwitz hin,der von seinem geringen Einkommen einen Theil der Stadt geopferthätte (o. S. 189) Auf diese feurige Rede antwortete der Vorsitzendeder Generalversammlung, der Abt Mulot, den jüdischen Deputirtenmit jenem Schwünge, der den Rednern der Revolutionszeit eigen war.„Die Kluft zwischen ihren religiösen Ansichten und der Wahrheit, diewir als Christen bekennen, kann uns Menschen nicht hindern, unseinander zu nähern, und wenn wir uns einen Jrrthum vorwerfenund uns über einander beklagen, so können wir uns doch einanderlieben." Er versprach im Namen der Versammlung, das Gesuch derPariser Juden um Gleichstellung zu unterstützen ^). Tags darauf(29. Januar 1790) veranlaßten die Pariser Juden den Carmeliter-Stadtbezirk, in welchem sie damals meistens wohnten, ihnen einLeumundszeugniß auszustellen, und dieses fiel außerordentlich günstigaus: Der Carmeliterbezirk, der die meisten Juden in seinem Schooßeeinschließt, hat, in Erwägung, daß er im Stande ist, ihr öffentlichesVerhalten am besten zu kennen und ihrem Eifer und ihrem Patriotis-mus Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, und durchdrungen davon,daß er ihnen Erkenntlichkeit dafür schulde, einstimmig beschlossen,den Repräsentanten der Kommune den Wunsch auszusprechen, daß dieJuden fortan die Rechte aktiver Bürger genießen mögen, und hatferner sechs Deputirte ernannt, um diesen Beschluß der Commune
1) Zloullsur 179V, p. 132, Sammler das. 187.
Graetz, Geschichte der Juden. XI.
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