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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Eifer der französischen Juden für ihre Gleichstellung. 191

berief sich der Klerikale, um die Versammlung gegen die Inden ein-zunehmen. In der Thal wurde die Versammlung schwankend: siefürchtete an den groben Vorurtheilen in der Bevölkerung der östlichenProvinzen gegen die Inden zu rütteln. Ans die Vorstellung einesDeputirten wurde daher die Gleichstellung der Inden von der derProtestanten getrennt, und der Beschluß fiel demgemäß sehr zweideutigaus: Die Versammlung behalte sich vor, sich über die Juden auszu-

sprcchen, ohne jedoch etwas Neues in Betreff ihrer zu beschließen Z.Dieser Vorbehalt wurde noch einmal bei dem Gesetze für die PassivenWahlen der städtischen Beamten wiederholt (8. Januar 1790). DieJuden wurden davon ausgeschlossen.

Durch diesen ausweichenden Beschluß fühlten sich aber die portu-giesischen Juden von Bordeaux außerordentlich gekränkt. Sie hattenbisher stillschweigend alle Rechte der Bürger genossen, so wie allePflichten mit Opferbereitwilligkeit erfüllt. Nun sollten sie mit einem-male mit den deutschen Juden, gegen die sie nicht weniger Antipathiehatten als gehässige Christen, auf Anwartschaft gesetzt werden. Siebeeilten sich daher, eine Deputation nach Paris zu senden, um diesenfür sie nachtheiligen Beschluß rückgängig zu machen. Da die Be-völkerung ihnen günstiger gestimmt war, so wurde es ihnen leicht ihreWünsche befriedigt zu sehen. Der Abgeordnete für Bordeaux, DeSLze, sprach warm zu ihren Gunsten. Tallcyrand, damals nochBischof von Autun, wurde zum Berichterstatter ernannt, und er sprachkurz und bündig (28. Jan.), daß diejenigen Juden, welche bisher alsnaturalisirte Franzosen Bürgerrechte genossen haben, darin erhaltenwerden sollten. Abermals erhoben sich die Judenfeinde gegen diesenAntrag. Sie fürchteten die Anwendung dieses Vorganges zu Gunstender deutschen Juden. Da sie mit ihren gehässigen Worten nicht durch-dringen konnten, so suchten sie die Abstimmung stundenlang zu störenund den Beschluß hinauszuschieben, um Zeit zu gewinnen. Dennochentschied die Majorität, daß diejenigen Juden in Frankreich, welchedaselbst unter dem Namen Portugiesen, Spanier oder Avignonescn(von Bordeaux und Bayonne) lebten, ihre vollen Rechte als aktiveBürger genießen sollten-). Der König genehmigte sofort dieses Gesetzt).Das war die erste gesetzliche Anerkennung der Inden als Vollbürger,allerdings nur eines Brnchtheiles derselben. Aber es wurde damit einBeispiel gegeben. Ein Jude von Bordeaux ging in seinem Enthusiasmus

Z Boniteur 1789, x. 500. 503. 504. 508.

-) Aouitsnr 1790, x. 126 f. 134.

2) Bei Hg-IxRen das. Sammler Jahrg. 1790, p. 187.