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Geschichte der Juden.
rührenden Familientugenden, die unter den Inden viel mehr als unterden Christen noch immer heimisch seiend- Thiery wies auch auf dasBeispiel ehrenwerther Männer in Frankreich, auf die Grad is, Blienu,Cers Berr, hin, welche eine hohe Stufe von Bildung oder gemein-nützigem Wirken erstiegen hatten^). Auch er verlangte, daß die Judenvöllig den Christen gleichgestellt würden; dann würden ihre Fehler vonselbst schwinden. Er machte auf den auffallenden Unterschied zwischenden Juden von Metz und Nancy aufmerksam; während sie dort, ge-drückt, einen trübseligen Anblick darbieten, zeigen sie hier, wo sie freierleben durften, einen erfreulichen Fortschritt^).
Salkind Hurwitz'^) Preisschrift fiel, wie sich denken läßt, nochgünstiger ans. Er war ein tief gelehrter Jude, ein scharfer Denker,ein Jünger des als Autorität verehrten Metzer Rabbiners Arje Löb,und kannte die Quellen der jüdischen Litteratur besser, als seine Mit-bewerber. Wenn Hurwitz auch Wahrheitsliebe genug besaß, mancheBlößen nicht zu verschweigen, so erschienen sie ihm doch nicht so grell,wie denen, welche sie mit fremden Augen betrachteten.
Als diese drei Schutzschriften erschienen, verdichteten sich bereitsdie wetterschwangeren Wolken der Revolution, welche Zerstörung undNeubildung über den Erdkreis herbeiführen sollte. Die Fessel derdoppelten Knechtschaft, unter welcher die europäischen Völker seufzten,der politischen und der kirchlichen, sollte endlich in Einem Landewenigstens gesprengt werden. Das Christenthum, das in seinen An-fängen einen Anlauf genommen hatte, der Freiheit eine Stätte zugründen, war schon Tags darauf freiheitsfeindlich geworden, billigtedie Leibeigenschaft, diesen Krebsschaden der christlichen Gesellschaft, sowie die Kasten- und Ständeunterschiede, die Unterjochung der Niedrigenunter die Hohen, segnete die Despoten, verfluchte die Elenden, die sichdagegen auflehnten, und überlieferte sie auch öfter dem Henkerbeile.Die lutherische Reformation, welche die „Obrigkeit" heilig sprach undden Bauernaufstand in Blut zu ertränken befahl, machte die Knecht-schaft nur »och drückender. Endlich sollte der gesunde Sinn über denpolitischen und kirchlichen Wahn siegen und, die Freiheit verkünden,das Wort, das in Europa fast unbekannt geworden war. Wie voneinem Zauberstabe berührt, verwandelte sich Frankreich in einen Glut-
') Das. p. 35 f.
-) Das. p. 63.
°) Das. p. 72 f.
4) Ueber S. Hurwitz und seine Schrift über Polygraphie (Lakographie) undüber den Ursprung der Sprachen vgl. Zeitschrift ckeäiäja, Jahrgang 3, B. V,S. ll» f. 16V f. B. VI. Ans. Er starb um 1810.