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Geschichte der Juden.
unsere Unterthauen hegen, zuwider ist, eine die Menschheit zu erniedrigenscheinende Auflage fortdauern zu lassen ...befehlen mir,... daß hin-führo in dem ganzen Umfange unseres Königreiches... die Juden...befreit sein sollen... von den Leibzolls-, Ueberfahrtssteuer-, Her-kommens- und allen anderen Abgaben dieser Art, es mögen nun solcheGebühren unserer königlichen Kammer oder aber Städten und Ge-meinden, geistlichen oder weltlichen Herrschaften— zugehören." VollerFrende zeigte Cers Berr seinen Berliner Freunden diese erste Er-rungenschaft an, und Wessely besang diese ernst gemeinte und ernstausgeführte Befreiung in schönen hebräischen Verseng.
Doch wirksamer als Cers Berr und die jüdische Commissionarbeiteten für die Befreiung der Juden zwei Männer, welche gewisser-maßen von Mendelssohn und seinen Freunden zu deren Herolden er-wählt worden waren und die Verkörperung der Revolution darstellten,Mirabeau, und der nicht minder für volle Freiheit begeisterte PriesterGrägoire. Graf Mirabean (geb. 1749 starb 1791), der stetsauf Seiten der Unterdrückten gegen die Unterdrücker war, wurde inMendelssohns Kreis zuerst dazu angeregt, seine Donnerstimme für dieJuden zu erheben.
In einer geheimen diplomatischen Angelegenheit vom französischenHofe nach Berlin gesendet, war er gerade kurz nach MendelssohnsHeimgang dahin gekommen und vernahm überall die Nachklänge derSchmerzenslaute über den Tod des jüdischen Weisen und das volleLob, das ihm in christlichen Kreisen neidlos gespendet wurde. Mirabeauverkehrte auch viel mit Dohm-), dem ersten Fürsprecher der Juden.Erfüllt von Mendelssohns großartiger Persönlichkeit und begeistert vondem Gedanken, einem geknechteten Volksstamme die Erlösung zu bringen,wollte Mirabean das französische Publikum zunächst mit beiden bekanntmachen. Auch der Widerwille, den er gegen den geräuschvollenSchwindelapostel Lavatcr empfand, den er mit Cagliostro auf eineLinie stellte, und dessen Anhänger ihn schmähten, nahm ihn fürMendelssohn und die Inden ein, deren Gegner der Mystiker vonZürich war. So entstand Mirabeaus einflußreiche Schrift: „überMendelssohn und über die politische Reform ver Juden"(1787). Bon dem Ersteren entwarf er ein glänzendes Bild, schilderteseinen Lebensgang mit Hellen Farben, vom ersten Tappen nach Wahr-heit an bis zur Höhe als geschmackvoller philosophischer Schriftstellerder Deutschen. Die kernigsten Gedanken Mendelssohns brachte Mirabean
*) Asasssk, Jahrg. 1786, p. 33.
2) Gronau, Dohm nach seinem Wollen und Handeln, S. 120. Der Kürzewegen citirte ich das Buch als Dohms Biographie.