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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Jerusalem.

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Ist das geoffenbarte Gesetz von Gott, dann dürfe sich aller-dings der im Hause Jakob Geborene nicht willkürlich davon entledigen.Es ist uns erlaubt, über das Gesetz nachzudenken, seinen Geist zuerforschen, hier und da, wo der Gesetzgeber keinen Grund angegeben,einen Grund zu vermuthen, der vielleicht an Zeit, Ort und Umständegebunden gewesen, vielleicht mit Zeit, Ort und Umständen verändertwerden kann wenn es dem höchsten Gesetzgeber gefiele, uns seinenWillen darüber zu erkennen zu geben .... So lange dieses nichtgeschieht, kann uns unsere Vernünftelei nicht von dem strengenGehorsam befreien, den wir dem Gesetze schuldig sind." ChristlicheTheologen machte er darauf aufmerksam, daß Jesus und Paulus dieVerbindlichkeit der Ceremonialgesetze für die im Gesetze Geborenenzugegeben und zum Theil selbst bethätigt hätten. Noch manchesAndere, was Mendelssohn auf dem Herzen hatte, brachte er imJerusalem" stets im Zusammenhang mit dem Hauptthema vor. DerGöttinger Professor Michaelis und seine Gesinnungsgenossen hattenden Juden die erlogene Anschuldigung entgegengeschleudert, daß siedie Eide gering achteten. Mendelssohn wies mit dem Finger daraufhin, daß unter den Christen nicht die niedrige Volksklasse, sondernhochgestellte Personen, Geistliche, akademische Lehrer, Würdenträgersehr oft und öffentlich falsche Eide schwüren. Sie beschwören, bestimmtformulirte Glaubensartikel buchstäblich zu glauben, glauben aber imAugenblicke des Eides gar nicht mehr daran oder nicht in dieserFassung oder kommen später auf andere, den Glaubensartikeln zu-widerlaufende Ueberzeugungen, ohne jedoch ihre Aemter niederzulegeuoder die damit verbundenen Vortheile aufzugeben. Das sei die Fruchtdes Eingriffs des Staates und der Kirche in die innere Gesinnungdes Menschen.Zählet die Männer alle, die Eure Lehrstühle undEure Kanzeln besteigen, und so manchen Satz, den sie bei der Ueber-nehmung ihres Amtes beschworen, in Zweifel ziehen; die Bischöfealle, die im Oberhause sitzen, die wahrhaftig großen Männer alle,die in England Amt und Würde bekleiden und jene neunuuddreißigArtikel, die sie beschworen, nicht mehr so unbedingt annehmen, als sieihnen vorgelegt worden, zählet sie und sagt alsdann noch, man könnemeiner unterdrückten Nation keine bürgerliche Freiheit einräumen, weilso Viele unter ihnen die Eide gering achteten! Ach! Gott bewahremein Herz vor menschenfeindlichen Gedanken! Sie könnten bei diesertraurigen Betrachtung gar leicht überhand nehmen" Z.

Der Erfolg dieser ausführlichen Schutzschrift war bedeutend größer

r) Jerusalem, Ges. Schr. III. S. 38L.

Graetz, Geschichte der Juden. XI.

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