Uorwort zur ersten Auslage.
Die Leser, welche mir so freundlich durch acht Bände gefolgtsind, werden mir Wohl ein Wort zum vorläufigen Abschiede gönnenIch habe die Geschichte des jüdischen Volksstammes in ihrem zwei-tausendjährigen Verlaufe von der zweiten Glanzepoche unter denhasmonäischen Fürsten bis hart an die Schwelle der Gegenwart herab-geführt. Glücklicher als meine Vorgänger, kann ich sie mit einemfreudigen Gefühle abschließen, daß der jüdische Stamm endlich inden eivilisirten Ländern nicht bloß Gerechtigkeit und Freiheit, sondernauch eine gewisse Anerkennung gefunden hat, daß ihm unbeschränkterSpielraum gegönnt ist, seine Kräfte zu entfalten, nicht als Gnaden-geschenk, sondern als ein wohlerworbenes Recht für tausendfacheLeiden, wie sie kaum ein Volk auf Erden in diesem Maaße unddieser Dauer erduldet hat, und für überraschende Leistungen welt-geschichtlicher Natur, wie sie wiederum kaum eine Race in dieser Arthervorgebracht hat. Wie diese äußere Befreiung und theilweise An-erkennung errungen wurden und wie sie mit der inneren Befreiungund Läuterung Hand in Hand gingen oder zugleich in Wechsel-wirkung von Ursache und Folge zu einander standen, soll eben dergegenwärtige Band veranschaulichen. Wenn es nur gelungen seinsollte, meine Leser herausfinden zu lassen, daß auch in der vorläufigletzten Phase der jüdischen Geschichte, die gewissermaßen vor unserenAugen vorging, der wunderbare Finger Gottes nicht fehlte, so würdeich mich über die Fehler trösten, welche meiner Darstellung und Be-weisführung vielleicht anhaften.
Eine Rechtfertigung bin ich noch meinen Lesern schuldig. ZurVollendung des Bildes von dem Geschichtsverlanf in dem letztenJahrhundert seit Mendelssohn wäre es nöthig gewesen, ihn bis indie unmittelbare Gegenwart zu verfolgen und zu zeigen, wie die