Elftes Kapitel.
Die Macht der castilianischen Juden unter Don Pedro.
Der schwarze Tod in Toledo. Günstige Lage der Juden unter Don PedroDer jüdische Troubadour Santob de Carrion. Der Finanzminister DonSamuel Abulafia. Parteinahme der Juden gegen die Königin und fürMaria de Padilla. Die prachtvolle Synagoge in Toledo. R' Nissim Gerundi.Don Samuels Tod unter der Folter. Der Bruderkrieg. Parteinahme
der Juden für Don Pedro. Unsägliche Leiden der Juden. Aufreibung
der Toledaner Gemeinde. Don Pedro's Tod ein Wendepunkt in derjüdischen Geschichte.
(1350 — 1369.)
Der schwarze Tod hatte auch in Castilien seinen schauerlichenTanz gehalten. Aber hier war die Bevölkerung einsichtsvoller alsan anderen Orten und dachte gar nicht daran, die Juden dafür ver-antwortlich zu machen. In Toledo und Sevilla raffte die Pest viele
angesehene Gemeindeglieder hin, aus den Familien der Abulafia, derAscheriden, der Jbn-Schoschan und anderen. Den Schmerz der Ueber-lebenden über solche Verluste verlebendigen die erhaltenen Inschriftender Grabsteine des Toledaner jüdischen Friedhofes ^). Auch der KönigAlfonso XI. von Castilien fiel als Opfer der tückischen Seuche, und auchnicht eine leise Stimme klagte die-Juden als Urheber dieses Todes an.Kann nicht dieser Umstand als Gradmesser für die Bildungsstufe der ver-schiedenen europäischen Völker dienen? Unter Alfonso's Sohn und Nach-folger Don Pedro (1350 — 1369) stieg der Einfluß der castilianischenJuden zu einer Höhe, wie nie zuvor. Es war der letzte Glanz ihrerangesehenen Stellung in Spanien, worauf bald dunkle Abendschattenfolgten. Seine zahlreichen Feinde gaben dem als fünfzehnjährigerJüngling zur Regierung gelangten König den brandmarkenden Namen„Pedro der Grausame", und seine Begünstigung der Juden hatte auchihren Antheil an diesem Schimpfnamen, obwohl Don Pedro nicht grausamer
') Epitaphien des Toledaner Friedhofes, gedruckt von Luzzatto in einemWerke ^.lms Sioonroa (Prag 18 i 1 ) aus einem Codex der Turiner Bibliothek.