Gemetzel in Straßburg.
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täglich ungestümer auftreteuden Bürgerschaft als Beweisstücke für dieUnschuld der Verdächtigten vorlegen zu können. Aber von vielenSeiten liefen gerade ungünstige Zeugnisse ein. Der Rath von Zäh-ringen antwortete: er sei im Besitz des Giftes, das die Juden ans-gestreut hätten und an dem Thiere bei angestellten Versuchen gestorbenwären; er wollte es aber nicht aus den Händen geben, sondern nureinem Sendboten vorzeigen *). Ein Castellan von Chillon ließ dieBekenntnisse der gemarterten Juden aus der Gegend des Genferseescopiren und schickte sie dem Rath von Straßbnrg zu^). Nur derRath von Köln ermuthigte den Bürgermeister Wintertur, sich un-verdrossen der Juden anzunehmen und das Verlangen der Juden-feinde zurückzuweisen. Denn, meinte er, viele kleine und größereStädte würden dem Beispiele der Stadt Straßbnrg folgen^). DerRath vermochte aber dem Ungestüm des Volkes nicht lange Wider-stand zu leisten. Die niedrige Volksmasse konnte sich nicht denken,daß die drei Rathsherren aus Menschlichkeit die Juden beschützten,und war überzeugt, daß es nur aus Eigennutz geschähe. „Sie müssenviel Geld von den Juden bekommen haben, daß sie dieselben widerAller Willen so sehr verteidigten," so sprachen die StraßburgerBürger untereinander^). Die Gewerke, wahrscheinlich von der Geist-lichkeit aufgestachelt, rotteten sich zusammen, zogen mit ihren Bannernvor den Münster°) und gingen nicht eher auseinander, bis der Bürger-meister Wintertur und seine zwei Collegen ihres Amtes entsetzt wurden.Darauf wurde ein neuer Bürgerrath gewählt, der die Verfolgungder Juden begünstigte. Das Ende war vorauszusehen. Die Gemeindevon Straßburg — 2000 Seelen — wurde eingekerkert. Tags darauf,an einem Sabbat (14. Februar 1349), wurden sie sümmtlich nachihrem Begräbnißplatze geschleppt. Ein Holzgerüste war errichtet, dassie besteigen mußten, während es in Brand gesteckt wurde. Nur die-jenigen, welche aus Verzweiflung zum Kreuze griffen, ließen die Henkeram Leben; die klebrigen verbrannten sie mit kaltem Blute. Derneue Rath beschloß auch, daß in 100 Jahren kein Jude in Straß-burg ausgenommen werden sollte. Die Schätze der Juden wurden andie Bürger vertheilt. Einige trugen Scheu, das Sündengeld zubehalten und verwendeten es, nach dem Rathe ihrer Beichtväter, zuKirchenzwecken.
st Urkunde in den Noten zu Königshoven S. 1828.
2) Das. S. 1829 ff.
st Urkunde das. S. 1623 f.
st Königshoven Chronik S 294.
st Königshoven das.