310
Geschichte der Juden.
wie man Verse machen könne. Aber sein Denkvermögen war ebensomittelmäßig wie seine dichterische Fähigkeit. Um die Grundwahrheitendes Judenthums zu beleuchten, vermochte er nicht einmal einen eigenenGedanken aufzustellen, sondern raffte Ansichten anderer Denkerzusammen. Jbn-Bilja stellte dreizehn Lehrsätze, gewissermaßenGlaubensartikel des Judenthums, auf, die aber weder aus einemeinheitlichen Princip folgen, noch durchweg jüdisch sind, noch überhauptstreng erwiesen werden. Darunter gehören zunächst: das Dasein vonEngeln, die Schöpfung aus Nichts und der Glaube an eine zukünftigeWelt geistigen Lebens. Seine Seelenlehre, ans die er fünf Glaubens-artikel gründete, ist ein gedankenloses Gemisch zweier entgegengesetzterSysteme. Bald soll die Seele ein Ausfluß der Gottheit sein und baldeine bloße Anlage, die sich selbst erst zu ihrem Wesen machen soll.Die Thora stehe nach Jbn-Bilja höher als die philosophischen Wahr-heiten und sei überzeugender als diese beurkundet durch die Wunder.Ihr Inhalt habe einen äußerlichen Sinn für die Menge und einentieferen für die Eingeweihten. Mit Bachja (VI^. S. 43 ff.) nahmJbn-Bilja an, daß eine noch so gewissenhafte Erfüllung und Aus-übung der Ritualgesetze nicht die Vollkommenheit eines frommen Judenausmache, sondern lediglich geläuterte Gotteserkenntniß und sittlicheGesinnung. Das Beste, was er aufstellte, ist noch der Glaubensartikel,daß Lohn und Strafe für die Seele nicht ein ihr von Außen zu-kommendes Gefühl sei, sondern in ihr selbst, in der Befriedigung undFreude an einem gewissenhaften religiösen und sittlichen Leben oderin dem Schmerze über einen verfehlten Lebenslauf liegen. Nimmtman noch hinzu, daß Jbn-Bilja in seinen Pentateuch-Commentarastrologische Grillen eingewebt hat, so kann auch er den Beweisliefern von der Gesunkenheit des Geistes unter den Juden derPyrenäischen Halbinsel in dieser Zeit.
Die Träger einer gewissen Gedankenhöhe in dieser Zeit sinddaher nicht diesseits, sondern jenseits der Pyrenäen zu suchen, inSüdfrankreich, wo sie sich trotz äußerer Widerwärtigkeiten behauptethaben. Hier war die Wissenschaft nicht verachtet. Hier, und nament-lich in der Gemeinde Perpignan, gab es eine Art Verein, welcherphilosophischen Studien oblag und sie förderte Z. In der Provencelebten die drei zeitgenössischen warmen Parteigänger für eine meta-physische Klärung des Judenthums: Kaspi, Gersonides und VidalNarboni. — Sie haben zwar keine bahnbrechenden Gedanken zurWelt gebracht, und noch weniger ein abgerundetes System aufgestellt.
0 Mose Narboni Citat bei Munk NslanZss x. 5vt. Note.