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Geschichte der Juden.
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Die Nachtseite des Lebens, die Sünde, die Unreinheit im Kleinenund Großen, ist ebenfalls ein Lieblingsthema des Sohar, zu dem ersehr oft und in den verschiedensten Wendungen und Wiederholungenznrückkehrt. Einer der älteren Kabbalisten kam nämlich ans den Ein-fall, daß es zur höheren Welt, der Welt des Lichtes, der Heiligkeitund der Engel einen schroffen Gegensatz gebe, eine Welt der Finsterniß,der Unheiligkeit, des Satans, mit einem Wort das Prinzip des Ur-bösen. Dieses Urböse habe sich bei der Weltschöpfnng ebenfalls inzehn Stufen (Sefirot) entfaltet. Die beiden Welten seien trotz ihrerVerschiedenheiten eines Ursprungs, bilden nur Gegenpole und verhaltensich zu einander wie die rechte Seite zur linken. Das Böse wirddaher in der Sprache der Kabbalisten die Linke genannt oder auchdie andere Seite (8>tra ^olmra). Auch eine andere Vorstellunggeben die Kabbalisten von dem satanischen Reiche. An der Grenzeder Lichtwelt bilde sich die Welt der Finsterniß und umgebe sie wiedie Schale den Kern einer Frucht. Das Urböse mit seinen zehn Ab-stufungen (Sefirot) bezeichnet daher die Kabbala metaphorisch alsSchale (Lslika). Diese Seite ist nun das Lieblingsthema des Sohar;denn hier kann er bequem seine abenteuerliche Schriftauslegung an-bringen. „Wie eine Welt der Heiligkeit, so giebt es auch eine Weltder Sündhaftigkeit, wie die Beschneidung im Gegensatz zur Vor-haut." Die zehn Sefirot der linken Seite oder des satanischen Reicheswerden aufgezählt und mit Namen von barbarischem Klang bezeichnet.Die Namen klingen wie die der Dämonenfürsten in dem Henochbucheund sind wohl daraus entlehnt: Samael oder Samiel, Asael,Angiel, Sariel, Kartiel (Katriel ^) und Andere. „Das sind diezehn Schalen zu dem Kern der zehn (Licht-) Sefirot." Alle Frevlerund Bösewichter in der Bibel identificirt der Sohar mit dem bösenPrincip der „Schalen" (Lelikot): Die Urschlange, Kain, Esau, Pharao,dann auch Esau's Reich, Nom und die auf Gewalt und Unrechtberuhende staatliche und kirchliche Macht der Christenheit im Mittel-alter. Israel und die Frommen dagegen gehören der Lichtwelt derrechten Sefirot an. „Wer nach der linken Seite (der Sünde) gehtund seinen Wandel verunreinigt, zieht die unreinen Geister auf sichherab; sie hängen sich an ihn und Weichen nicht von ihm" ^). DieGesetze der Thora und die Uebungen haben nach dem Sohar keinenanderen Zweck als eben die Verbindung der Seele mit der Lichtweltzu erzielen und zu pflegen. Jede Uebertretung derselben führe sieder Welt der Finsterniß, der bösen Geister und der Unreinheit zu.
*) Note 12. 2 ) Sohar I. S. 55 a.