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Geschichte der Juden.
Gewalt über die innere Angelegenheit der Juden, hier Prallte ihrBannstrahl wirkungslos ab.
Dieser innere Frieden der Inden sollte aber ebenfalls gestörtwerden, auch aus dem Gedankenasyl sollten sie vertrieben werden.Die Anregung dazu ging von einem getauften Inden aus, der Welt-liche und Geistliche gegen seine ehemaligen Glaubensgenossen aufreizte.Ein Mann Namens Donin (oder Dunin), ein Talmndkundiger aus LaRochelle in Nordfrankreich, war in seinem Denken dahin gelangt, dieGültigkeit des Talmuds und der mündlichen Lehre überhaupt zu be-zweifeln. Dafür wurde er von den französischen Rabbinen in den Banngethan. Ohne Anhalt in jüdischem und christlichem Kreise entschloß sichDonin, die Taufe zu empfangen, und nahm den Namen Nikolaus an.Von Haß gegen die Rabbinen und den Talmud erfüllt, gedachte derApostat, sich an beiden zu rächen. Wahrscheinlich von Geistlichen dazu auf-gestachelt, hetzte er den großen Haufen gegen die Juden und ihre Schriftenund veranlagte die blutigen Verfolgungen in Anjou und Poitou durchdie Kreuzzügler >). Damit war aber sein Rachegefühl noch nicht befriedigt.Er begab sich zum Papst Gregor IX. und trat als Kläger gegen denTalmud auf, daß dieser das Wort der heiligen Schrift verdrehe, in denagadischen Partieen unwürdige Vorstellungen von Gott enthalte, nichts-destoweniger von den Rabbinen noch höher geachtet sei als die heiligeSchrift und daß er endlich voll Schmähungen gegen den Stifter derchristlichen Religion und gegen dessen Mutter sei. Nikolaus Donin bewiesdem Papste, daß der Talmud allein die Juden in ihrer Halsstarrigkeitgegen die Annahme des Christenthums bestärke; ohne denselben würdensie ihren Unglauben fahren lassen. Der leidenschaftliche Gregor gingbereitwillig auf die Anklage ein, ohne zu bedenken, daß Apostatenkeine unparteiischen Zeugen gegen ihre ehemaligen Glaubensgenossenfein können. Er erließ sofort Handschreiben an die Kirchenfürsten vonFrankreich, England, Castilien, Aragonien und Portugal, setzte ihnenin fünf und zwanzig Artikeln die von Nikolaus erhobenen Anklage-punkte auseinander und befahl ihnen, am ersten Sonnabend derFastenzeit des Morgens, wenn die Juden zum Frühgottesdieust inihren Synagogen versammelt sein würden, sämmtliche Talmudexemplarezu confisciren und sie den Dominikanern und Franciskanern zu über-geben. An die Könige dieser Länder schrieb er ebenfalls und fordertesie auf, die Geistlichen mit dem weltlichen Arm zu unterstützen. DieProvincialen der beiden Mönchsorden, welche die Inquisition überBücher und Ueberzeugungen hatten, ermahnte der Papst, den Inhaltder talmudischen Schriften untersuchen zu lassen, und wenn sich
*) Vgl. A. Lewin in der Monatschrift Jahrg. 1869 S. 101 ff.