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7 (1894) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 1. Hälfte
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84 Geschichte der Juden.

von Jahr zu Jahr blutiger und allgemeiner. Es ist wahr, Jnno-cenz III. beabsichtigte keineswegs den Tod der Juden, sondern nurihre Demüthigung. Er wollte sie blos unter die ländlichen LeibeigenenHerabdrücken, so daß die ganze Wucht des Gesellschaftsgebäudes imMittelalter, Fürsten, höherer und niederer Adel, die Geistlichkeit allerGrade, Bürger, Bauern auf ihnen laste und sie zu Jammergestaltenzusammenpresse. Aber dem niederen Volke, das froh war, eineMenschenklasse noch tief unter sich zu sehen, an der es seinen plumpenWitz und seine ungeschlachten Fäuste üben könnte, ihm genügte dieEntwürdigung der Juden keineswegs. Tie von der Kirche und derGesellschaft Gebrandmarkten galten dem verdummten Volke als Aus-würflinge, die man ohne Gewissensbisse wie räudige Hunde todtschlagendürfe. Allerlei Verbrechen wurden den Juden augedichtet und fandenGlauben. Hetzereien gegen Juden wegen Kindermordes wiederholtensich von Zeit zu Zeit, bald hier, bald dort'), mit einer solchen Selbst-gewißheit, daß selbst gutgesinnte Christen irre wurden und dem Lügen-gewebe Glauben schenkten. Zwischen Lauda und Bischofsheim (imBadischen) wurde die Leiche eines Christen gefunden. Wer war derMörder gewesen? Natürlich Juden. Auf diese durch Nichts erwieseneAnschuldigung hin wurden in diesen beiden Städten jüdische Männer,Frauen und Kinder ohne Prozeß vom Pöbel und der Geistlichkeitüberfallen und getödtet. Dann erst machte man acht gelehrten undfrommen Männern den Prozeß wegen Meuchelmordes an einemChristen (2. u. Z. Januar 1235); sie wurden gefoltert und wahr-scheinlich in Folge ihres durch die Tortur erpreßten GeständnissesHingerichtete). Die Plünderung jüdischer Häuser war die stete Be-gleiterin solcher Metzeleien. Die Juden der Nachbarschaft wandtensich hierauf flehend an den Papst Gregor IX. und ersuchten ihn,ihnen ein Privilegium zu ertheileu, welches sie vor der Willkür desmordsüchtigen Pöbels und wahnbethörter Richter schützen sollte. Erging auf ihr Gesuch ein und erließ eine Bulle an die Christenheit(vom 3. Mai 1235), welche die Constitution des Papstes Junocenz III.wiederholte und bestätigte (o. S. 5). Einige meinten, der Statt-halter Christi habe sich durch eine bedeutende Geldsumme von Seitender Juden zur Ertheilung der Bulle gewinnen lassen^); so wenigRechtsgefühl war damals vorhanden. Indessen gleichviel, ob aus

') Judengemetzel 1221 in Erfurt, 1225 Mecklenburg, 1226 Breslau,1235 Lauda, 1236 Fulda, 1241 Frankfurt a. M., 1243 Belitz. Vergl.darüber die vortreffliche Schrift Stobbe, Juden in Deutschland S. 281 sg2) Vergl. Note 4

b) Laroräus (Nazmslckuo) aurmlss soolssis-sbioi an. 1235. dlo. 26.