Verhalten der spanischen Gemeinden zur Parteiung. 47
war, so erweisen sich doch diejenigen, welche ihn zum Führer nehmen,als Gesetzesübertreter. Er selbst habe längst die Verderblichkeit derLehren, welche in Maimuni's „Führer der Schwankenden" nieder-gelegt sind, erkannt, daß sie zwar den Grund der Religion befestigen,aber die Zweige erschüttern, die Risse des Baues ausbessern, aber dieUmzäunung niederreißen. „Gottes Verherrlichung sei in ihrem Munde,aber auch Gift und Tod auf ihrer Zunge." Er habe sich von jehervon dieser bodenlosen Ketzerei fern gehalten und mehr als dreißigJahre vorher ein Sendschreiben an die Lüneler Gemeinde gerichtet,um die Begeisterung für Maimuni zu dämpfen, sei aber schnöde ab-gewiesen worden.
Neben diesem schwergepanzerten Kriege der zwei Parteien mitgegenseitiger Verketzerung und Bannstrahlen ging ein leichtes Plänkelneinher mit spitzigen Spottgedichten. Gegen Maimuni's „Führer"und seine Anhänger drückte ein Gegner folgendes Stachellied ab:„Schweig, verstumme, Blindenführer, unerhört sind deine Lehren!
Sündhaft ist's, die Schrift in Dichtung, Sehergab' in Traum verkehren"*).
Darauf entgegnete ein Maimunist:
„Schweig' und verschließe Du selber den Mund, das Thor der Thorheit!Unzugänglich bleibt Deinem Verständnitz so Dichtung wie Wahrheit" ch,
Ein anderes Epigramm bricht über Maimuni selbst den Stab:„Amramssohn, o deut's nicht übel, daß wie Du der Frevler heißt;
Ist's doch üblich, Geist zu nennen den heil'gen, wie den Lügen-Geist"").
Zur gegenmaimuuischen Partei gehörte halb und halb der DichterMesch ullam b. Salomo En-Vidas Dafiera^), wahrscheinlich ausSüdfrankreich, der zwei größere Gedichte in dieser Streitsache com-ponirte. Meschullam Dafiera war weit entfernt, Maimuni selbst zuverketzern, er ließ ihm vielmehr volle Gerechtigkeit widerfahren, be-trachtete dessen „Gesetzescodex" sogar mit dem philosophischen Theilals ein heiliges Buch; aber „den Führer" hielt auch er in derhebräischen Fassung für eine ketzerische Schrift und verdammte denDichter Charisi, der sie durch Uebersetzung zugänglich gemacht hatte.Auch er glaubte buchstäblich an die Wundererzählungen nicht blos derBibel, sondern auch des Talmud, wollte sogar an der menschen-
*) Elieser Aschkenasi, Oibrs Ollacliaiuüir p. 80. Graetz Blumenlese S. 147.
2) Das. ch Das.
*) Das. S. 78. Blumenlese S. 150. Aus einem Citat in der Apologiedes Jedaja Bedaresi hat S. Sachs richtig gefolgert, daß dieser Dichter auchden Namen rn'si wn-va führte. Dieser für die Aussprache noch nicht fixirteEigenname wird verschieden orthographirt: n-rw"! rwm'o'i, und kommt
auch sonst vielfach corrumpirt vor.