Salomo von Montpellier.
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mnd war, über den hinaus Nichts für ihn als wahr galt. FürSalomo waren nicht bloß die religionsgesetzlichen Bestimmungen desTalmud, sondern auch die agadischen Aussprüche in ihrer nackten,anstößigen Buchstäblichkeit unumstößliche Wahrheiten, an denen zumäkeln schon Ketzerei sei. Er und seine Genossen dachten sich dieGottheit mit Augen, Ohren und anderen menschlichen Organen versehen,sitzend im Himmel ans einem erhabenen Thron, umgeben von Dunkelheitund Wolken. Paradies und Hölle malten sie sich mit agadischenFarben aus; die Frommen würden im himmlischen Garten EdenFleisch vom Leviathan und alten Wein, vom Urbeginn der Welt inhimmlischen Behältern aufbewahrt, genießen, und die Gottlosen, dieKetzer, die Gesetzesübertreter im Gehenna gegeißelt, geplagt und imhöllischen Feuer verbrannt werden. Das Vorhandensein von bösenGeistern ließen sich die Rabbinen dieses Schlages durchaus nichtnehmen; es war für sie gewissermaßen ein Glaubensartikel, da dietalmudische Agada sie als existirend anerkennt Z.
Mit einer so plumpen, anthropomorphistischen Anschauung mußteSalomo ans Montpellier fast jedes Wort in den maimunische»Schriften, unjüdisch und ketzerisch finden. Er durfte nicht dazuschweigen, er sah in der Duldung der maimunischen Ideen die Auf-lösung des Jndenthums, und er begab sich in den Kampf gegen sie,gegen ihre Vertreter und Verfechter. Aber mit welchen Waffen? DasMittelalter kannte kein wirksames Mittel, verderblich scheinende Ge-danken zu vernichten, als den Bann. Es wollte denjenigen, der umeinen Kopf seine Zeit überragte und über Religion anders als dergedankenlose Troß dachte, durch Ausschließung aus dem Verkehr mitGlaubensgenossen zwingen, seine Ideen in sich zu vergraben oder garsie als grobe Jrrthümer selbst zu verabscheuen. So hatte um dieselbeZeit der Papst Gregor IX. der Pariser Universität, der Trägerindes freien philosophischen Geistes bis zum Auftreten der Dominikanerund Franziskaner, bedeutet, sich bei den Vorlesungen streng an denKanon des Lateran-Concils zu halten und die auf demselben verpöntenSchriften bei Vermeidung des Bannes nicht zu gebrauchen. DieserVorgang mag neben seinem zelotisch leidenschaftlichen Gemüth Salomo
*) Seine Ansichten sind durch die Ausstellung bekannt, die er an Maimuni'sSchriften machte, aus Abraham Maimuni's Llilelluiuot, p. 17 ff., aus Nach-mani's größerem Sendschreiben und aus dem Sendschreiben des SamuelSaporta in Osar Usolloaaä. II. x. 170. Prägnant bezeichnte sie Nachmani:M'rnr r.i' 'irrr punri (-n.i ">) rrn rm uroir '2 nsm. Daß
Salomo aus M. keineswegs ein Idiot, sondern eine bedeutende talmudischeAutorität war, hat Luzzato gründlich, nachgewiesen.