108
Geschichte der Juden.
Lehrers AlfLßi aus, tiefeingehend, scharfsinnig, kritisch, und in diesemSinne arbeitete er seine Commentarien zu mehreren talmudischenTraktaten unter dem Titel „Geheimrolle" Z ans. Schon beim Lebengenoß Jbn-Migasch einen ausgebreiteten Ruf als talmudische Autoritätund als Mann von Gesinnung. Von nah und fern ergingen Anfragenan ihn, und er beantwortete sie gutachtlich mit ebenso viel Klarheitwie Gründlichkeit. Mit einer bei Gelehrten seltenen Wahrheitsliebegestand er ein, sich geirrt zu haben, und widerrief seine irrthümlicheAnsicht"). So milde aber auch sein Charakter war, so verfuhr erdoch mit äußerster Strenge, wenn es galt, das Wohl der Jndenheitzu wahren.
Spanien war nämlich damals in hohem Grade aufgeregt undin Parteiungen gespalten. In Andalusien standen die Nationalaraberden siegenden almoravidischen Berbern gegenüber und führten miteinander einen bald heimlichen, bald offenen Krieg. Die in derGegend von Granada angesiedelten Christen (die Mozarabi) machtenheimlich eine Verschwörung gegen ihre mohammedanischen Zinsherren,riefen den Eroberer Saragoffa's, Alfonso von Aragonien, herbei undversprachen ihm Granada zu überliefern. Das christliche Spanienwar nicht minder zersplittert. Obwohl Castilien und Aragonien mitihren Nebenländern durch die Ehe zwischen Alfonso von Aragonienund Urraca, Königin von Castilien, der Tochter Alfonso's VI., vereintsein sollten, so hat gerade diese unglückliche Ehe sie mehr denn jegetrennt. Eine Partei hielt es mit dem König, eine andere mit derKönigin und eine dritte gar mit dem jungen Jnfanten Alfonso VII.,dessen Erzieher ihn gegen Mutter und Stiefvater zugleich aufstachelten.Oefter sah man Christen und Mohammedaner unter einer Fahnekämpfen, bald gegen einen christlichen Fürsten, bald gegen einenmohammedanischen Emir. Bündnisse und Bundesbrüche folgten schnellaufeinander. Falschheit und Vcrrath kamen täglich vor, und selbsthochgestellte Geistliche wechselten die Partei, bekämpften ihre ehemaligenBundesgenossen und standen ihren früheren Feinden bei. Die JudenSpaniens blieben bei dieser anarchischen Bewegung sicherlich nichtunbetheiligt, und freiwillig oder gezwungen hielten die Einen zu dieser,die Anderen zu jener Partei, je nachdem das Interesse oder diepolitische Gesinnung es erheischten. Aber wenn Christen oderMohammedaner Verschwörung anzettelten, so konnten sie im Falledes Verrathes bei ihren mächtigen Glaubensgenossen Schutz finden.
*) Serachja Halevi zu Labs Nssis. I. Anfang und an andern Stellen;vergl. Asulai s. v.
2) Fsbits. illslenbsLst zu Labs. iKsma sä. ^.rnst. x. 203 a unten.