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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Die Talmudsammlung.

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hanpiet;wir sind die Kinder Gottes", habe ein Kennzeichen dafürgegeben:Wer mein Geheimniß (Ll/otsrion) besitzt, der ist mein Sohn.Das Geheimniß aber ist die Mischna und die mündliche Gesetzes-anslegung. Darum spricht der Prophet Hosea: wenn ich die Fülleder Gesetze aufschreiben würde, so würde Israel als Fremder betrachtetwerden." *) Erstaunlich ist es keineswcges, wie diese Masse Einzel-heiten geordnet im Gedächtniß bleiben konnten, da sie es doch vorR. Aschi im ungeordneten Zustande blieben. R. Aschi ward durch dieTalmudsammlnng der Vollender des Werkes, das R. Inda zweihundertJahre vorher begonnen hatte. Aber die Arbeit war unendlich schwieriger.Denn die Mischna umfaßte nur einen compendiarischen Auszug desHalachastoffes, das klebrige den Boraitas überlassend, der Talmudhingegen nahm Alles auf und ließ gar nichts zurück. Die Mischnalieferte nur die trockene Halacha, künstlich abgerundete Gesetzespara-graphen, der Talmud aber gab auch das Lebendige der Gesetzes-entwickelung und ihren geistigen Gehalt, noch dazu mit dialektischerSchärfe. Der erste Anstoß zur Talmudsammlnng bildet eine derwichtigsten Epochen der jüdischen Geschichte; der babylonische Talmud(Dalmucl badli) wurde von jetzt an ein mitthätigcs, wirksames, einfluß-reiches Element. Ganz vollendet hat indessen R. Aschi das Riesenwerknicht. Denn wiewohl er seinen Eifer auf's Sammeln verwendete, sowar weder bei ihm, noch bei seinen Zeitgenossen die Schöpferkraft sosehr versiegt, daß sie ihre ganze Thätigkeit nur auf das Sammelnbeschränken mochten. Im Gegentheile löste R. Aschi viele der, vonden früheren Amoräern zweifelhaft gelassenen, oder ungenügend gelöstenFragen, und seine Entscheidungen sind ebenso treffend und scharfsinnig,wie einfach, so daß man sich oft wundern muß, wie die Frühernsie übersehen konnten. Seine Memras (talmudische Sentenzen) sindspäter auch dem Talmud einverleibt worden.

R. Aschi's Wirksamkeit fiel in die Regierungsjahre des juden-freundlichen sassanidischen Königs Jesdigerd, Sohn Bcürams IV.2)(400420.) Die Magier gaben diesem edlen Fürsten den BeinamenAl Hatim" (der Sünder), weil er sich nicht willenlos von ihnenbeherrschen ließ. Den Juden war er aber sehr gewogen, wie er auchden Christen hold war. An Hnldigungstagen sah man an seinem

I Note 35.

2) Nach Mordtmann, Münzen mit Pehlwi-Legendsn. Zeitschrift der Deutsch-Morgenl. Gesellschaft 1854 S. 63 regierte vor ihm ein wenig bekannterJesdigerd I. 399 460 und Jesdigerd II. 400420. (Nach Nöldeke regierteJesdigerd I. 399420, hierauf Bairain V. 420438 und sodann Jesdigerd II.438457. S. Inda 419 ff.)

Graetz, Geschichte der Juden. IV.

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