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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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R. Nachniäü.

als Oberrichter angestellt und war auf diese Würde so stolz, daß cvseine College» nachdrücklich daran erinnerte, wenn sie sich etwa mit ihmgleichstellen wollten: daß nur er allein befugter Richter sei^). Ererlaubte sich, auch ganz allein Urtheil zu fällen, obwohl man es für«ine Frechheit hielt, ohne College» Gericht zu sitzen"). Mildeund Leutseligkeit waren seinem Charakter ferü'. Als die Sklaven desRcsch-Galnta einer alten Frau Baumaterialien gewaltsam geraubtund daraus eine Festhütte gemacht hatten, beklagte sich dieselbe beiR. Nachman über diesen Rechtseingriff:Der Exilsfürst ütid seineGelehrten sitzen in einer geraubten Festhütte." Aber R. Nachmanhörte sie kaum an, und ans ihre spitzige Entgegnung:Ich, die Töch-ter eines Mannes, der 318 Sklaven hatte (Abraham), finde mit meinerKlage nicht einmal Gehör!" fuhr er sie barsch an und dekretirte, daßsie höchstens ans den Ersatz des Werthes der entzogenen MaterialienAnspruch habe. Noch rücksichtsloser behandelte er seine Sklaven, indenen er die Menschenwürde ans eine die Sittlichkeit verletzende Weiseschändete. Seine Sklavinnen ließ er nicht in ein festes Eheverhältnißtreten, sondern die Männer wechseln, je nach dem Nutzen, den er sichvon einem solchen Wechsel versprach, ganz unähnlich seinem LehrerSamuel, welcher jedem seiner Sklaven eine Sklavin lebenslänglich alsEhefrau zuführt'e^), und unähnlich dem tiberiensischen Amora R-Jochanan, welcher seine Sklaven an seiner Tafel theilnehmen ließ.Die Schöpfer des Talmuds waren sonst in Bethätignng der Sittlich-keit ebenso bis zur Peinlichkeit gewissenhaft wie in der Uebung derRitualien; Gemüthsverhärtnng, die sie in ihrer nächsten Nähe anGriechen und Römern wahrnahmen, war ihnen eine unbegreifliche Er-scheinung. Als Charakterzug eines echten Juden betrachteten sie Barm-herzigkeit. Selbst die Gesctzeslehrer behandelte R. Nachman hochfahrendund demüthigend ^), wie das Verfahren beweist, daß er gegen N. Judaanwendete, indem er ihn, wie bereits erzählt, vor ein Tribunal citirte,als wenn er Patronatsrecht über ihn besessen hätte. Seine GemahlinJalta, die Exilarchentochter, welche gegen die Gewohnheit dasHinterbliebene Kind von ihrem ersten Gatten einer Amme übergab,um nicht gehindert zu sein, sich mit R. Nachman zu verheirathen ^), übertraf ihn noch an Stolz und besaß die ganze Lannenhastigkeitund den Uebermuth einer kleinen orientalischen Fürstin. Von den

1) Let.nbot 64 b

2 ) 8;mbeclriu 5. a.

2) Kiääa 47. a.

h Labs, UsÄa 66. a. Obnliu 132. b. "h Xgtnbot 60 b.