Zwölftes Kapitel.
Letztes Tanäiten-Geschlecht. Patriarchat R. Juda I. und seines Sohnes inSepphoris. Neue Einrichtungen. Abschluß der Mischna. Stellung der Judenunter den Kaisern Marc Aurel, Commodus, Septimius Severus und Anto-ninus Caracalla. Severs Gesetze in Betreff der Juden. UnwillkommeneGleichstellung der Juden im römischen Staats. Die letzten Ausläufer derTanarten.
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Das letzte Tanarten-Geschlecht kehrte z» demjenigen Punktewieder zurück, von welchem das erste ansgegangen war, und vollendeteden ganzen Kreislauf. Wie das erste sich in einer einzigen Persön-lichkeit, in R. Jochanan b. Sakkai, vollständig ausprägte, ebensoendete das letzte mit einem einzigen Träger, welcher der Mittelpunktseiner Zeit war. Von jenem waren mehrere Jünger ausgegangen,welche eigene Schulen, Richtungen und Systeme hatten; der Tradi-tionsstoff war in eine Vielheit auseinander gelegt. Der PatriarchR. Juda, Sohn Simon's II., vereinigte sie wieder und brachte hier-mit die tanaitische Thätigkeit zum Abschluß. Er war die Haupt-antorität des letzten Geschlechtes, neben der die übrigen Gesetzeslehrerkeine Bedeutung hatten, er schloß die alte Richtung und öffnete diePforten einer neuen. Ungeachtet der hohen Bedeutung, welche erin der jüdischen Geschichte einnimmt, ist R. Jnda's Leben doch nurspärlich bekannt In einer drangsalvollen Zeit, während der Nach-wehen des Bar-Kochbatschen Krieges geboren (um 136, st. um 210 Z,entwickelten sich seine Geistesfähigkeit und bedeutenden Anlagenfrühzeitig, er zeichnete sich durch reife Fragen und treffende Antwortenso sehr aus, daß sein Vater und das Collegium ihn noch in derJugend in die ersten Reihen der Jünger versetzt habend). Als fühlteer seinen Beruf, das Verschiedenartigste zusammenznfassen und abzu-schließen, beschränkte sich R. Juda nicht auf eine einzige Schule, sondernsuchte den Umgang mit mehreren Gesetzeslehrern. Ties bewahrte ihnvor Einseitigkeit und jener Befangenheit, welche die Worte eines
9 Vergl. Note l und 22. '9 Luba AeÄu 84. b.