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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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R. Simon b. Jochai.

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abgesagter Römerfeind und stand auch bei denselben nicht im bestenAndenken. Eine freimüthige, wahrheitsgetreue Aeußernng des Tadels,von ihm, die dem römischen Statthalter hinterbracht wurde, sollte anihm mit dem Tode bestraft werden, wie später erzählt werden wirdNur durch die Flucht konnte er sich der Verfolgung entziehen, undan diese Thatsache hat sich die Sage festgeklammert, um R. Simonmit Wundern und Wunderthätigkeit zu umgeben. Eine ursprünglicheQuelle jedoch erzählt diesen Vorfall in der ganzen Einfachheit einesnüchternen Berichtes. Dieser Vorgang, so geringfügig er auch ist, darfhier in seiner ganzen Umständlichkeit um so weniger verschwiegenwerden, als er dazu dient, den mystischen Nebelschleier zu zerreißen,in den man R. Simon gehüllt hat. Die schlichte, wunderentblößteNachricht stellt die Thatsache folgendermaßen dar:

R. Simon b. Jochai verbarg sich vor dem Zorn der Römerin einer Höhle in der Nähe eines Ortes Charuba oder Kephar-Charub, so genannt von der Menge Johannisbrodbäume, welchedaselbst gediehen. In dieser Höhle blieb er mehrere Jahre, sich vonJohannisbrot, und Quellwasser nährend, und sein Körper litt vondiesem ungesunden Aufenthalte so sehr, daß seine Haut mit Rissenund Schwielen bedeckt wurde. Als er sich im letzten Jahre einst insFreie hinauswagte, bemerkte er, daß ein Vogel der Schlinge des Nach-stellers unerwartet entschlüpfte.' Dieses für eine günstige Vorbedeutungannehmend, sprach er bei sich: Wenn ein Vogel nicht ohne eine höhereFügung gefangen werden kann, um wie viel weniger der von derVorsehung beschützte Mensch. Darauf verließ er seine Höhle undvernahm die angenehme Kunde, daß eine günstige Wendung eingetretensei, und er keine Nachstellung zu befürchten habe. Um seine zerrütteteGesundheit wieder herzustellen, badete er in den warmen Quellen desTiberiassees, welche seinen morschen Körper wieder erfrischten. Auseinem regen Dankgefühl erwies er der Stadt Tiberias eine Wohlthat,welche für die Einwohner von einem nicht geringen Interesse war.Tiberias, von Herodes Antipas 120 Jahre vorher auf einem Gräber-Platze erbaut*), war von den Frommen gemieden worden, weil sieeinen durch die Gräber verunreinigenden Ort scheuten, der ihnen stetsdie lästigen Reinigungen nothwendig gemacht und sie am Besuche desTempels verhindert hätte. Der Gründer war wegen dieser Scheuschon bei der Anlage der Stadt gezwungen, Einwohner für die neu-erbaute Stadt durch glänzende Versprechungen förmlich herbeizulocken.Diese Abneigung der Frommen gegen die Gräberstadt Tiberias bestand

st Josephus Alterthümer XVIII. 2. 3.