112
Geschichte der Juden.
steuer sind aufgehoben *1. Es ist möglich, daß die vier Haupttanaiten,welche wohl damals beim Tode Domitians und der ThronbesteigungNerva's noch in Rom anwesend waren, diesen günstigen Umschwungherbeigeführt, indem sie die Anschuldigungen gegen das Jndenthumwiderlegt und den Machthabern eine bessere Meinung von demselbenbeigebracht haben. Es war Brauch, den Kaisern Schutzschriften wegeneiner verfolgten Lehre oder Religion zu übergeben, und in einer solchenmochten die vier Gesetzeslehrer die jüdische Lehre gegen die darüberherrschenden Vornrtheile gerechtfertigt haben. Die allzukurze Regierungs-zeit Nerva's hemmte die fernere Wirkung der wohlwollenden Stim-mung für die Inden; mit seinem Nachfolger kehrte die alte Ge-hässigkeit zwischen Römern und Inden wieder, und bald standenbeide Völker zum zweiten Male mit den Waffen in der Hand ein-ander gegenüber.
Ncrva hatte den Spanier Ulpianus Trajan zum Nach-folger erwählt. Der Kaiser, beinahe ein Sechziger, Sieger gegen dieDacier an der Donau, ging an's Werk, seinen Lieblingstraum zuverwirklichen, auch Asien, die Länder zwischen Euphrat und Tigris,Indus und Ganges dem römischen Reiche zu unterwerfen, um dieLorbeeren Alexanders des Großen um seine Schläfen zu winden(114). In den parthischen Ländern hatte er leichtes Spiel, weildieses alte Reich, halb griechischen, halb persischen Ursprungs, gespaltendurch schwache Kronprätendenten, dem Eroberer nur einen halbenWiderstand entgegensetzte. Nur die Inden, die in dieser Gegendäußerst zahlreich wohnten, ganze Städte und Districte inne hattenund eine gewisse politische Selbstständigkeit unter ihrem Fürsten derGefangenschaft oder Exilarchen (Reooli Uolad) besaßen, traten demrömischen Eroberer aus religiöser Abneigung entgegen. Die baby-lonischen Juden erblickten in Trajan den Nachkommen derer, welcheden Tempel zerstört und ihre Brüder zu schmählicher Knechtschaftverdammt hatten, und rüsteten sich ihrerseits zu einem heiligenKampfe. Die Stadt Nisibis, welche von jeher eine zahlreiche jüdischeEinwohnerschaft in ihren Mauern hatte, entwickelte einen so hart-näckigen Widerstand, daß sie erst nach langer Belagerung eingenommenwerden konnte, dafür aber hart büßen mußte. Die LandschaftAdiabene am mittleren Lauf des Tigris, wo der große Alexander denentscheidenden Sieg über den letzten Perserkönig erkämpft hatte, ge-horchte einem Herrscher, dessen 'Vorfahren vor kaum einem Jahr-hundert das Jndenthum angenommen hatten. Der adiabenische König
h Uelcbel üoolrina numornm VI. x. 4V >.