Bruch zwischen Juden und Judeuchristen. 83
jüdischen Gemeinschaft gehörten und daher sich ganz von ihr los-sagten. Der Scheidebrief, den das Jndenchristenthnin der Mutter-gemeinde znschickte, ist noch vorhanden; er fordert die jüdischen An-hänger Jesu auf, sich von den Stammgcnossen völlig losznlösen. Inder agadischen Weise jener Zeit setzt der „Brief an die Hebräer" aus-einander, daß der gekreuzigte Messias zugleich sühnendes Opfer undversöhnender Priester gewesen. Er beweist aus dem Gesetze, daßdiejenigen Opfer als die heiligsten gelten, von deren Blut im Aller-heiligsten gesprengt und deren Leib außerhalb des Lagers (Tempels)verbrannt wurde. „Daher," so fährt der jndenchristliche Ermähnenfort, „litt auch Jesus den Tod außerhalb der Thore (Jerusalems),„damit das Volk durch sein Blut gesühnt werde. So laßt uns denn„zu ihm hinausziehen außer dem Lager (der jüdischen Gemeinschaft)„und seine Schmach tragen; denn wir haben hier nicht die bleibende„Stadt (Jerusalem als Symbol der jüdischen Gesammtheit), sondern„wir suchen die zukünftige Stadt" *). War einmal der erste Schritteiner entschiedenen Trennung der Nazaräer und der verwandtenSekten von der jüdischen Gemeinschaft erfolgt, so stellte sich auch beiihnen ein leidenschaftlicher Haß gegen Juden und Jndenthum ein.Gleich den Heidenchristen schmähten und lästerten die Nazaräer dieJuden und ihr Wesen, und da das schriftliche Gesetz auch für sieHeiligkeit hatte, so richteten sie ihre Pfeile gegen das Halachastndiumder Tanaiten, den Lebenspunkt des Judenthums in diesem Zeitalter.Man war in judenchristlichen Kreisen wie in jüdischen gewöhnt, alleVerhältnisse der Gegenwart aus dem Gesichtspunkte der heiligenSchrift anznschauen und dafür Belege und Andeutungen aus demPropheteuworte herbeizuziehen; es war dies die eindringlichste Art,gewisse Stimmungen zu erwecken und Ueberzcugungen beizubringen.Die Nazaräer wendeten daher auf die Tanaiten, welche bei ihnenDeuteroten hießen, ganz besonders auf die zwei Schulen Hillelsund Schammais, einen rügenden, drobendeu Vers des ProphetenJesaias an (8. 14.): „Es wird sein zum Stein des Anstoßes undzum Sturze für die zwei Häuser Israels." „Unter den zwei Häusernmeint der Prophet die zwei Lebrsekten Schammal und Hillel, ausdenen die Schriftgelehrten und Pharisäer entstanden sind, deren Nach-folger waren Akiba, Jochanan, der Sohn Sakkais, dann Elieser undDelphon (Tarphon) und dann wieder Joseph der Galiläer und Josua.Dieses sind die zwei Häuser, welche den Heiland nicht anerkennen,und dies wird ihnen znm Sturz und znm Anstoß gereichen." Auch
') Hebräerbrief 13. It. ff.
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