Erste Epoche,
vier Tanaiten-Geschlechter umfassend.
Judäa bleibt größtentheils der Schauplatz der Begebenheiten,
Erstes Kapitel.
Erstes Tanaiton-Geschlecht. Gründung des Lehrhauses in Jabne; R. Jochanan
b. Sakkäi. Das Flaviamsche Kaiserhaus. Die letzten Herodianer.
Der unglückliche Ausgang des so energisch geführten vierjährigenKrieges gegen die Römer, der Untergang des Staates, die Ein-äscherung des Tempels, die Verurtheilung der Kriegsgefangenen zuden Bleiwerken Egyptens, zum Verkauf auf den Sklavenmürkten oderzum Kampfe mit wilden Thieren, wirkten auf die übrig gebliebenenJuden mit so niederschlagender Betäubung, daß sie rathlos warenüber das, was nun zu thun sei. Judäa war entvölkert; Alle, welchedie Waffen ergriffen hatten, im Norden und im Süden, diesseits undjenseits des Jordans, waren auf den Schlachtfeldern gefallen oder mitder Sklavenkette in die Verbannung geschickt. Der zornerfüllte Siegerhatte Frauen und Kinder nicht geschont. Die neue Gefangenschaft,das römische Exil (6alut Lclom) durch Vespasian und Titus hattemit weit größeren Schrecken und Grausamkeiten als die babylonischeGefangenschaft unter Nebuchadnezar begonnen. Verschont gebliebenwaren nur die Wenigen, welche es offen oder heimlich mit den Römerngehalten hatten: die Römlinge, welche von Anfang an kein Gefühlfür die Nationalsache hatten, die Herodianer und ihr Anhang, dieFriedensfreunde, welche im Judenthume eine andere Aufgabe erblickten,als mit blutigen Waffen zu kämpfen, die Besonnenen und Bedächtigen,die einen Kampf mit den Römern als einen Selbstmord betrachteten,und endlich Ernüchterte, welche Anfangs das Abwerfen des eisernenJoches der Römer für eine heilige Sache gehalten hatten, aber durchdie Schreckensherrschaft der Zeloten und die Parteikämpfe geängstigt,die Waffen gestreckt und ihren Sonderfrieden mit dem Feinde ge-