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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
Entstehung
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Einleitung.

gewaltiger hervor, je größer der Druck war, der auf ihm lastete.Aber diese talmudische Thätigkeit war in ihrem ersten Anlaufe soüberwiegend und ausschließlich, daß keinerlei Wissenszweig, nichteinmal ein solcher, der ihr als Stütze zu dienen geeignet wäre, nebenihr Raum finden konnte. Selbst die Exegese, das richtige Verständnißdes heiligen Textes aus dem Bewußtsein formaler Sprachkunde, wurdenur obenhin berührt. Eine jüdische Philosophie, das freie Forschennach dem Grundwesen des Judenthnms, nach dem ewig Wahren undewig Gültigen in dem Gesetze, konnte in einer Zeit, wo es galt, sichnach dem Schiffbruch zu sammeln und vor neuen Stürmen zu schützen,gar nicht aufkommen, ungeachtet bereits die Alexandriner, mit Philoan der Spitze, einige Grundsteine zu dem Anbau einer solchen gelegthatten. Um Exegese mit hebräischer Sprachkunde und Philosophiemit in den Kreis des Wissenswürdigen hineinzuziehen, dazu bedurftees eines Anstoßes von einem neuen, der talmudischen Richtung feind-lichen Elemente. Das Karäerthum war dieses neue, gährende Element,das neue Gestaltungen und Lagen hervorbrachte. Mit Recht kannman daher die erste Periode dieses Zeitraums die talmudischenennen, weil die Hauptrichtung der Geschichte sich auf den Ausbaudes talmudischen Lehrinhaltes und auf den Talmud, als auf dasGrundbuch, bezieht. Erst am Ende dieser Periode, angeregt und ge-fördert durch die karäische Spaltung, erwachte auch der Sinn fürHülfswiffenschaften, für Exegese, Grammatik und sogar für den Auf-bau einer jüdischen Philosophie, aber ohne daß es darin zu einergediegenen Reife gekommen wäre. Aeußere und innere Störungenstellten sich inzwischen ein, welche den Strom der jüdischen Geschichtein ein anderes Bette leiteten; sie änderte seitdem äußerlich wie innerlichihre Gestalt. Judäa und Babylonien, die Städte am Jordan undEuphrat, bisher der einzige Schauplatz der Geschichte, verlieren ihreBedeutung. Das jüdische Geistesstreben wandert von dem äußerstenOsten nach dem äußersten Westen, von Babylonien nach Spanien,entfaltet dort neue Blüthen und reifet neue Früchte. Die erstePeriode des Zeitraums der Zerstreuung (Oiasxora) ist ihrem Inhaltenach talmudisch, der geographischen Lage nach judäisch-baby-lonisch.

Das talmudische Zeitalter zählt 970 Jahre und zerfällt in vierkleinere Abschnitte oder Epochen:

1. Die Tanaiten-Epoche, von dem Untergang des Staats undder Einführung des Synhedrion in Jamnia bis zum Abschlüsse derMischna. (70 200).