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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
Entstehung
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Oorwort zur zweiten Auflage.

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Eür meine Leser will ich mit diesem Vorworte nur eineerfreuliche Thatsache constatireu. Als ich vor ungefähr einemDeceuuium mit der Geschichte der talmudifcheu Zeitepoche vor dasPublikum trat, mußte ich mein Beginnen, mit einem wenig beach-teten und weilig beliebten Stoffe anfzntreten, so ziemlich erst ent-schuldigen. Seit dieser Zeit ist gerade diese Partie der jüdischenGeschichte, wenigstens ein Theil derselben, fast populär geworden;sie ist von geistvollen Fachmännern nicht bloß ans jüdischem, sondern was eben erfreulich ist auch aus christlichem Kreise, einereingehenden kritischen Untersuchung unterworfen worden. Immermehr bricht sich die Ueberzeugung Bahn, daß die Entstehung undder erste Verlauf des Christenthnms d. h seine evangelische, episto-larische, apokalyptische und apostelväterliche Literatur, in der Agadader talmudischen Zeitepoche wurzelt und ohne gründliches Verständ-nis; derselben nach allen Seiten hin ein unlösbares Näthsel bleibt.Das Unbefriedigende in den beiden jüngsten Biographien Jesuvon Renair und Strauß worüber unter kompetenten Forschernnur eine Stimme herrscht liegt eben darin, daß diese beidensonst genialeil Schriftsteller die historische Atmosphäre, aus welcherdie galilüische Abstinenzreligion ihre Säfte gesogen und überhauptihre Elemente genommen hat, daß sie, sage ich, dieses Medium nichtgenügend erkannt oder gar verkannt haben. Ihre Mißachtung dersogenannten rabbinischen Litteratnr und der tanaitischen Geschichts-epoche hat sich an Renan und Strauß von Schenkel gar nichtzu sprechen auf eine empfindliche Weise gerächt, und ihrestylistisch so imposante Darstellung vermag ihren Mangel anhistorischer Trene und Thatsächlichkeit nicht zu verhüllen. Hoffent-lich wird die Zeit bald kommen, daß derjenige, welcher die jüdisch-geschichtliche und agadische Litteratnr des ersten und zweiten Jahr-hunderts nicht kennt, und nicht weiß, daß die Evangelien, dieapostolischen Briefe, die Polemik und Apologetik der apostolischenVäter einen durchweg agadischen Zug und Schnitt haben, ebenso-wenig an die Urgeschichte des Christenthums Herangehen wird, sobegabt er auch sonst sein mag, wie etwa ein Historiker an dieBiographie Sokrates' und der Sokratiker, der das athenische Lebenund die philosophische sowie die politische Bewegung innerhalbdieses Kreises nur oberflächlich kennt.