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Geschichte der Juden.
halten? „In jedem Lande und in jeder Stadt, wohin der Befehldes Königs gelangte, war eine große Trauer unter den Judäern,Fasten, Weinen und Klagen; die Angesehenen kleideten sich in Buß-gewand und legten sich in Asche')." Aber dieser unerhört verruchtePlan, ein ganzes Volk mit Männern, Frauen und Kindern ver-tilgen zu wollen, das sich nichts weiter zu Schulden gegen ihn hattekommen lassen, als daß es dessen Einmischung in seine inuersteuund heiligsten Angelegenheiten zurückwies und allenfalls beim Scheiternvon dessen klug ausgedachten Eroberungsversuchen spöttisch gelächelthatte, dieser Plan hatte auch eine gute Seite. Er führte den Vcrthei-digern des Vaterlandes neue Kämpfer zu. Auch die Lauen und Welt-lichen unter den Judäern und selbst die Neuerungssüchtigen, welche sichnicht gar zu arg mit dem Jndenthum überworfen hatten, schlossensich den Makkabäern an; es blieb ihnen keine Wahl. Nur dieGriechlinge der verworfensten Art, Menelaos und seine Partei,hielten noch zu Antiochos, weil sie keine Aussicht hatten, von denTreugebliebenen versöhnlich ausgenommen zu werden.
Indessen war die augenblickliche Lage trostlos genug. JedenAugenblick wurde ein zahlreiches syrisches Heer erwartet, das mitseiner Wucht die judäischen Kämpfer erdrücken sollte. Es galt alsodas ganze Volk zum Kampfe und zum muthigcn Ausharren zu be-geistern. Zu diesem Zwecke wurden zwei eigenartige Schriftenverfaßt und unter die leseknndigen Judäer verbreitet. Beide warendarauf berechnet, Alle, Alle mit dem Gedanken zu durchdringen,daß das judäische Volk nimmermehr vertilgt werden könne, daß ihmunerwartet eine Hilfe zukommen werde. Das Buch Daniel unddas Buch Esther, so verschieden an Anlage, Gedankengang und Form,haben denselben Zweck, Begeisterung für das eigene Volksthumund zähes Festhalten an demselben in den Gemüthern zu erwecken)und zu erhalten. Sie gingen indeß von verschiedenen Kreisen aus undwaren an verschiedene Leser gerichtet. Das Buch Daniel hatte)ohne Zweifel einen Chaßidäer zum Verfasser und war für seinesGesinnungsgenossen berechnet. Das Buch Esther dagegen hatte)einen Patrioten zum Verfasser, der sich an weltlich gesinnte)Judäer wendete, die zwar mit dem Judenthum mehr oder weniger)gebrochen hatten, aber von dem judäischen Bolksthnme sich doch nicht)
') Esther 4, 3.