298
Geschichte der Juden.
betrachteten sie als Lebenszweck. Die in Palästina und Phmncienangesiedelten Griechen unterhielten durch die Verpflanzung derolympischen Spiele nach Ablauf von je vier Jahren in die Bar-barenländer das nationale Band gemeinsamer Abstammung. Wer !von Nichtgriechen zur Theilnahme an denselben zugelasseu wurde !füblte sich dadurch, als des griechischen Adels theilhaftig, außer- )ordentlich geehrt. Jason und die Hellenisten beabsichtigten mit der !Einführung der Gymnasien in Jerusalem damit auch den Judäern sdas höhere griechische Bürgerrecht zu verschaffen und dadurch de» !Haß und die Verachtung, unter denen sie zu leiden hatten, zu vcr- !mindern. Sobald Antiochos ihnen dieses Vorrecht ertheilt hatte, !ließ es sich Jason angelegen sein, die Hebungen anzustellen, die zur ^Betheiligung an den olympischen Spielen nöthig waren. DerHohepriester richtete (um 174) in der Birah oder Akra, nord-westlich vom Tempel, einen Platz für solche Hebungen ein, einGymnasium für Jünglinge und eine Ephebie für Knaben^). Wahr-scheinlich wurden griechische Lehrer gemiethet, den judäischen Jüng-lingen und Männern die Kampfspiele beizubringen. Diese bestandenin raschem Wettlauf in einem Stadium, in Springen, Ringen, ingeschicktem Werfen einer schweren Scheibe und in Faustkümpfen-).
Bald zeigte sich aber die Unverträglichkeit solcher Spielereien,die einer ganz anderen Lebensrichtung entstammten, mit dem Juden-thum. Die Uebungen in solchen Wettkämpfen mußten nackt ausgc-führt werden, so erforderte cs die griechische Sitte. Die judäischenJünglinge, die sich dazu hergaben, mußten sich demnach in Anblickdes Tempels, in welchem nicht einmal Stufen zum Altäre führendurften, damit die Blöße des Körpers nicht sichtbar werde, über dasSchamgefühl hinwegsetzen. Aber ein anderes Schamgefühl beschlichsie. Bei der Entblößung des Körpers kam das Bundeszeicheu zuniVorschein, woran sie von den Gliedern anderer Völker sofort kennt-
in Makkabb. I, 1, 13b; als wenn Antiochos den Juden die Erlaubnis; -tLoonicri/ — gegeben hätte, die Eigenheiten — — der Völker zn
thun. Aehnlich in Makkabb. IV, 4 und Joscphus XII, S, 1. Hier undMakkabb. I. ist angegeben, daß nicht einer allein — sei cs Jason oder Menclaos— Antiochos wegen dieser Erlaubniß angegangen hat, sondern mehrere;Joscphus nennt dabei die Tobiadcn.
y Makkabb. I, 1, 14; II, 4, 12; IV. das. In den beiden letzten Stelle»wird der Platz näher bezeichnet als Akropolis und Akra.
2s Makkabb. II, 4, 12-14.