Jesua Sirach.
285
schönen Sünde, welche die Judäer von den Griechen gelernt hatten.Er entwarf in einem Spruche ein häßliches Bild von den TöchternIsraels, das, wenn vielleicht auch übertrieben", sie nicht in günstigstemLichte zeigt. „Eine Tochter ist ihrem Vater ein geheimer Kummer,»nd die Sorge um sie raubt ihm den Schlaf. In ihrer Jugend,daß sie nicht verblühe, und verheirathet, daß sie nicht verhaßt werde.In ihrer Jungfräulichkeit, daß sie nicht geschändet und in ihremWerhause schwanger werdest." Er veranschaulichte die herrschendeGeilheit im Kreise der Griechlinge in einer Gebetform, scheinbarvon sich selbst redend:
„Herr, Vater und Gott meines Lebens!
„Lüsternheit der Augen gieb mir nicht.
„Und die Lust mehre von mir ab.
„Des Fleisches Lust möge mich nicht erfassen,
„Und schamlosem Sinne überliefere mich nichts."
Gegen die Verdorbenheit der Jugend eiferte er besonders: „Wünschedir nicht eine Menge ungerathener Kinder, noch freue dich frevel-hafter Söhne. — Denn besser ist einer als Tausend und kinderlossterben, als gottlose Kinder Habens."
Als Grnndübel und Wurzel dieser Gesunkenheit betrachteteZirach die Geringschätzung der Lehre des Judenthums, und dieserzu steuern war der Zweck seiner Spruchdichtung. Mit Entrüstungrief er aus: „Wehe euch, frevelhafte Männer, die ihr das Gesetzdes Höchsten verlassen habet! — denn nicht jegliche Scham zubeachten ist gut. Schämet euch vor Vater und Mutter der Unzucht,vor der Versammlung des Volkes der Gesetzesübertretung . . . DieserTinge schäme dich, aber des Gesetzes des Höchsten und des Bundesschäme dich nicht st!" -— Wodurch kann dieses tiefätzende Uebelgeheilt werden? Sirach hielt es für seine Aufgabe, ein erprobtesHeilmittel zu zeigen und anzupreisen: das Gesetz, die GeboteGottes und ihre Heilighaltung. Begeistert wie er für die Lehre desJudenthums war, schilderte er ihren hohen Werth mit dichterischemLchwunge und pries sie als die verkörperte Weisheit. Er ließ dieseMt sprechen:
h Das. 42, 9 fg. Auch citirt Synhedrin p. 100 a.-> Das. 23, 4 fg. 16 fg.ch Das. 16.1 fg.
42, 8 fg.