Jesua Sirach.
283
Sirach gehörte nicht zu den düstern Chaßidäern, welche aucherlaubten Genüssen entsagten und an Anderen verdammten. Er redetevielmehr dem geselligen Mahle bei Wein und Musik ein warmesWort und gab in wohlgesetzten Sprüchen eine Art Tafelordnungfür Anstand und Mäßigkeit. Gegen die Freudenstörer, welche dieHeiterkeit des Gelages durch allzuernste Gespräche zu verscheuchenpflegten, sprach er einen feinen ironischen Tadel aus.
„Sprich, Rathsmitglied, in gründlicher Kenntniß,
„Denn das ziemt dir; aber sei der Musik nicht hinderlich.
„Wo Wein getrunken wird, bringe dein Gespräch nicht an,
„Und zeige dich nicht zur Unzeit weise.
„Wie ein Siegelring von Smaragd in goldener Fassung,
„So das Lied beim süßen Weine tz".
Gegen die Ueberfrommen, welche die Heilkunst verschmähtenund als ein sündiges Thun betrachteten, weil die körperlichen Leidennur durch Gebet zu Gott abgeweudet werden sollten, betonte Sirachdie Nothwendigkeit der Heilkünstler und Heilmittel, daß auch sievon Gott zu ihrem Zwecke geschaffen seien 2).
Sein Eifer war nichtsdestoweniger erglüht beim Anblick dessittlichen und religiösen Verfalls seiner Zeitgenossen und bei derWahrnehmung der dadurch herbeigeführten Demüthigung von Seitender mit Uebermuth auftretenden Völker rings herum. Die schmerz-liche Empfindung über die politische Schwäche seines Volkes kleideteer in ein Gebet 2):
„Erbarme Dich unser, Herr des All,
„Blicke herab und gieb Deinen Schrecken„Auf alle Völker, die Dich nicht anerkennen!
„Erhebe Deine Hand wider die fremden Völker,
„Daß sie Deine Macht erkennen.
„Daß sie gleich uns erkennen mögen,
„Daß es keinen Gott außer Dir giebt.
„Erneuere die Zeichen und wiederhole die Wunder.
leicht ich habe mich abgemüht. Noch weniger richtig kann im Syrischendas Verbum !--p sein, da es dem gr. entsprechen muß. Man muß
entschieden dafür lesen
h Sirach 35, 3 fg. 22, 1 fg.
2> Das. 38, 1 fg.
bj Auch dieses Gebet ist im gr. Text durch die Verschiebung und VersetzungMissen in Kap. 33,1—13n und 36, 16b—22. Im Syrischen und Vulgatabildet das Gebet ein zusammenhängendes Ganzes 36, 1—19.