Druckschrift 
2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 2 (1876) Vom babylonischen Exile (586) bis zum Tode des Juda Makkabi (160)
Entstehung
Seite
212
Einzelbild herunterladen
 

212

Geschichte der Juden.

bis es durch irgend einen Umstand davon befreit wurde. IjxSamaritaner, die schlimmen Nachbarn des judäischen Gemeinwesenshaben ohne Zweifel die Ungunst, in dem dieses bei den letztenpersischen Königen stand, benutzt, um es zu schädigen. Die Land-striche an der Grenze, die sie früher hatten abtreten müssen, Rama-thaim, Apherema und Lydda (o. S. 79), scheinen sie mit List oderGewalt wieder an sich gebracht zu Habens.

Die Jndäer mußten also in dieser Zeit um die Erhaltung desDaseins kämpfen. Ueberhaupt hatten sie in den zwei Jahrhundertennur wenige Lichtblicke: in der ersten Zeit nach der Rückkehr, die vonBegeisterung erfüllt war, in der Zeit unter Darms I., der ihnen volleHuld zugewendet hatte, und endlich während Nehemia's Anwesenheitund eifervoller Thätigkeit in Jerusalem. Sonst aber waren Gedrückt-heit, Armseligkeit und der Mitleid erregende Zustand der Hilflosigkeitihr Loos. Sie machen den Eindruck, als wenn sie stets mit feuchtemBlicke zu den Höhen hinaufgeschaut hätten mit der beklemmendenFrage:Woher soll mir Hilfe kommen?" Die Spuren der Arm-seligkeit und Kraftlosigkeit zeigt auch das Schriftthum, das ausdiesen zwei Jahrhunderten sich erhalten hat. Während des Exilshatten der stechende Schmerz und die erregte Sehnsucht, welche die Ge-müther in fast athemloser Spannung erhielten, reiche, schöne Mühender Prophetie und Poesie erzeugt. Sobald diese Erregung aufge-hört hatte, die Hoffnung Wirklichkeit geworden war, erlahmte auchder geistige und poetische Schwung. Die prophetische Beredsamkeitder nachexilischen Zeit, hält, von der Seite der Form betrachtet,keinen Vergleich mit der aus der exilischen Zeit aus. Die Psalm-dichtung wurde matt und gefiel sich in Wiederholungen oder entlehnteden Schmelz aus älteren Erzeugnissen. Die liebliche Idylle desBuches Ruth (o. S. 169) bildet eine Ausnahme in dem Schriftthumdieser Zeit. Die Darstellung geschichtlicher Erinnerungen war,allerdings erklärlich, ganz und gar vernachlässigt. Esra und Nehemiahatten lediglich eine Denkschrift über ihre Erlebnisse in gedrängterKürze und mit Vernachlässigung der schriftstellerischen Form ausge-zeichnet. Ganz zum Schlüsse dieser Zeitepoche, gegen das Ende derPerserherrschaft hat, wie es scheint, ein Levite ein Geschichtswerkvon Beginn der Schöpfung bis auf seine Zeit zusammengestellt,

1 Josephus contra ^.pionem II, 1; vergl. weiter unten.