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Geschichte der Juden.
In dieser unbehaglichen Lage dachten die Glieder des Gemein-wesens zunächst nur an sich, nicht an das Allgemeine. Der Tempel-bau wurde selbstverständlich aufgegeben. Die angesehenen Familien-häupter, die Großen, bauten für sich schöne und prächtige Häuser,wie es scheint, ans dem Baumaterial, welches für den Tempelherbeigeschafft worden war'). Dazu kamen noch Mißernten, welchemehrere Jahre anhielten. Brand und Hagel täuschten die Hoffnungdes Landmanns, und selbst der Weinstock, die Feigen-, Granat- undOlivenbäume trugen keine Früchte. Man säete viel aus und heimsteIvenig ein, es gab nicht einmal satt zu essen und kein Gewand inder Kälte zu wärmen, und wer etwas erwarb, erwarb für einendurchlöcherten Geldbeutel"). Es gab keinen Lohn für Menschen undkeinen für die Lastthiere, keiner konnte friedlich aus- und eingehenvor den Feinden, es war ein allgemeiner Kriegszustand"). Nochschlimmer war die sittliche Verwilderung, welche in Folge der leib-lichen Noth eintrat. Der Rückfall in das Götzenthum, um sich mitden feindlichen Nachbarn in ein freundliches Verhältniß zu setzen,wie zur Zeit nach dem ersten Einzug der Israeliten, wiederholtesich allerdings nicht mehr; von dieser Verkehrtheit waren auch dieniedrigsten Judäer und selbst die Tempelsklaven gründlich geheilt;sie verfielen nicht mehr in die Thorheit, die Crcatur als Gottheitzu verehren oder der Unzucht mit religiöser Andacht zu fröhnen.Aber kleinliche Vergehungen und Laster kamen zum Vorschein. DerEigennutz nahm auf eine häßliche Weise überhand; Lieblosigkeitdes einen Volksgenossen gegen den andern, falsches Maaß undGewicht bei Kauf und Verkauf und Diebstahl, welchen die Aermeren,um das Leben zu fristen, begingen. Wurden solche gemeine Ver-brecher vor den Richter geführt, ohne durch Zeugen überführtwerden zu können, so scheuten sie sich nicht falsche Reinigungseidezu leisten 4).
Chagga'i 1, 4.
Das. 2, 16—19; 1, 6. 9—11.
"i Zacharia 8, 10.
4) Zacharia ö, 3—4; 8, 17 klagt zunächst über verbreiteten DiebstahlMeineid und Lieblosigkeit. Indessen wird das. in einem Symbol noch ein anderesLaster gerügt. Dieses Symbol ist aber von den Auslegern vollständig mißver-standen worden. V. 5 ist angegeben, die Engel haben den Propheten ins Freiegeführt, und dieser habe ein Maaß geschaut. Die darauf folgende Deutunglaßt das Symbol nicht verkennen, daß hier von falschem Maaße die Rede ist.