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Geschichte der Juden.
früheren Könige betrachten; er begann nach der Einnahme Babelsdas erste Jahr seiner Regierung (538) zu zählen*). SämmtlicheDiener des Palastes, welche vor Nabonad krochen und zitterten,wurden Cyrus' Diener. Unter diesen befanden sich auch Eunuchenaus der judäischen Königsfamilie, welche der Lehre Jhws' treuzugethan waren (o. S. 5). Diese oder die ehemaligen Heiden,welche sich der judäischen Gemeinde angeschlossen hatten, thaten sofortSchritte, wahrscheinlich in Gemeinschaft mit dem Enkel des KönigsJojachin, Namens Serubabel (Zerubabel), von Cyrus die Freiheitfür ihre Genossen zu erwirken. Zunächst wurden wohl die einge-kerkerten und wegen ihrer Anhänglichkeit an ihre Lehre bestraftenJudäer in Freiheit gesetzt 2). Aber sie erwirkten noch mehr vonCyrus. Er bewilligte auch ihr Gesuch, daß die Judäer in ihreHeimath zurückkehren, Jerusalem wieder aufbauen und den Tempelwiederherstellen dürften. Mit der Besitznahme von Babylonienfielen Cyrus von selbst alle die Ländcrstrecken zu, welche Nebu-kadnezar erobert hatte, alle Provinzen westlich vom Euphrat biszum Mittelmeer und südlich vom Libanon und Phönicien biszur Grenze Aegyptens. Judäa gehörte also ohne Weiteres zumpersischen Reiche. Was für Gründe haben die Bittsteller für einsolches, einem mächtigen Sieger gegenüber scheinbar kühnes Gesuchgeltend gemacht, den Jndüern gewissermaßen staatliche Selbstständig-keit zu gewähren? Und was mag Cyrus bewogen haben, es inhochherziger Weise zu bewilligen? War es Eingebung einer augen-blicklichen Laune oder Gleichgültigkeit gegen einen Strich Landes,den er wahrscheinlich nicht einmal dem Namen nach kannte, dessengeschichtliche Bedeutung ihm jedenfalls fremd war? Oder hat ihnein staatsmännischer Gedanke geleitet, sich an der GrenzscheideAegyptens und der wasserlosen Wüste, die dahin führt, ein dank-bares Völkchen zu gewinnen für einen etwaigen Kriegszug gegen
y Nicht blos in Chronik II. 36, 22 und Esra 1,1 wird nach der EinnahmeBabels das 1. Jahr des Cyrus gezählt, sondern auch im Ptolemäischcn Regenten-Kanon wird er nach Nabonad als König von Babylonien aufgczählt und an-gegeben, daß er im Ganzen nur 9 Jahre regiert habe, während er über Persienund Medien bereits 20 Jahre regiert hatte.
2) Folgt aus Ps. 107, 10 fg., der unstreitig sich auf den Exodus aus dembabylonischen Exil bezieht, wie viele Ausl, annchmcn. Vcrgl. Frankel-GractzMonatsschrift. Jahrg. 1869 S. 242 fg.