Der zweite Jesaia.
59
„Wie ein Mann, den seine Mutter tröstet,
„So werdet ihr getröstet werden,
„Und in Jerusalem getröstet werden 9 ."
Worin dieser Trost besteht? Nicht in Hoffnung auf eitlen, weltlichenGlanz, nicht auf Macht und Herrschaft, sondern auf ein weltumfassen-des Heil. Dieser Prophet des Exils hat zuerst den Gedanken vondem an Abraham verheißenen Segen für alle Geschlechter derErdens als Heilslehre (ckssoba, ckssobunb, -lkününb^ aufgefaßt undihre ganze Tiefe zum klaren Verständniß gebracht. Eine ganz neuesittliche Ordnung soll in die Welt einziehen, gewissermaßen ein neuerHimmel und eine neue Erde geschaffen werden, und das Alte sollvergessen und vergeben sein4). An diesem Heile werden alle Völker,alle Enden der Erde theilnehmen; vor dem Gotte, den Israel ver-ehrt und verkündet, wird jedes Knie sich beugen, zu ihm jede Zungeschwören:
„Lauschet mir Völker und Nationen vernehmet,
„Denn eine Lehre wird von mir ausgehen,
„Und mein Recht zum Lichte der Völker beschleunige ich.
„Nahe ist meine Gerechtigkeit, aufgegangen mein Heil.
„Auf mich werden die Küstenländer hoffen,
„Und auf meinen Arm (Krafy Harrens."
Für dieses Heil ist Abraham aus weiten Erdenräumen berufen undseine Nachkommen von Mutterleibe an auserwählt worden 6).Israel, das Volk Gottes, ist von Jhwh als sein Knecht und Send-bote an die Völker auserkoren worden, um diesen als Licht undals Bündniß zu dienen, um blinde Augen zu öffnen?). Das sei ebender Zweck Gottes, der seine Vorsehung von Anbeginn im Augegehabt. Als er deu Himmel gespannt und die Erde gegründet, hater zugleich Israel oder Jeschurun zu seinem Volke, seinem Knechteund seinem Apostel in Aussicht genommen^).
p Das. 66, 13.
2j S. I. S. 7 u. II a. 174.
Ss Jesaia 46, 13; 49, 6; 51, 5-6. 8; 52, 7; 56, 1 u. a. St.
4) Das. 43, 18-19; 65, 17; 66, 22.
Das. 51, 4 fg. 45, 22—23.
Das. 41, 8-9; 44, 24; 46, 3; 49, 5.
?1 Das. 42, 6—7. 19; 44, 26.
8) Das. 51, 16. Das nennt der Prophet 53, 10b: 'N "SN; von diesem„Endzweck Gottes" ist auch die Rede 44, 28; 48, 14.