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Geschichte der Juden.
Heiden dafür gewonnen worden waren. Kaum zwei Jahrzehnt nachdem Tode der Propheten Jeremia und Ezechiel, die sich so oft überdas Kieselherz des Volkes beklagt hatten, war die Wiedergeburt des-selben vollzogen. Das zugänglich gemachte Schriftthum, die Thoraund die Propheten, war eine Verjüngungsquelle, welche den Geisterfrischte und das Herz sänftigte. Es zeigte dem judüischen Volkesein eigenstes, inneres Wesen, lehrte es, sich darin zu vertiefen odersich darin wiederzufinden. Indessen mußte sich der neue Geist, derin das Innere des Volkes eingezogen war, erst bewähren, durchKämpfe und Leiden erprobt und gefestigt werden. Tie Gelegenheitzur Prüfung fehlte nicht.
Der Lichtseite gegenüber, welche das jüngere Geschlecht der Exu-lanten durch die Vertiefung in das Schristthum, durch Begeisterungfür die glanzvolle Vergangenheit und endlich durch die Vergegen-wärtigung seiner Ideale darbot, trat eine Schattenseite um so grellerhervor. Ein Theil des Volkes, ganz besonders die vornehmenFamilien, verharrte nicht nur in seiner alten Verkehrtheit, sondernnahm auch neue aus seiner Umgebung an. Die riesige HauptstadtBabel und das ausgedehnte chaldäischc Weltreich übten einen Zauberauf die Höherstehenden aus, verlockten sie zur Nachahmung des chal-däischen Wesens, eröffnten einen weiten Gesichtskreis und boten ihnenGelegenheit, ihre Kräfte zu entfalten. In Babylonien blühte derHandel mit den Erzeugnissen des Bodens und kunstvoll angefertigtenStoffen des Landes/welche auswärts gesucht und weithin ausgeführtwurden. Babylon war eine bedeutende Handelsstadt^. Nebukadnezarhatte dem Handel durch die Erweiterung der Schifffahrt noch mehrAufschwung gegeben. An dem Meerbusen, in den sich die Zwillings-flüsse Euphrat und Tigris ergießen, hatte er eine bedeutende StadtTeredon erbaut, welche Stapelplatz für die Haudelsvcrbindungmit Arabien und Indien war 2). Die Unzucht der babylonischenFrauen, sich den Fremden preiszugeben, die unbegreifliche Nachsichtder Ehemänner gegen dieselben und der Väter gegen das schamloseBenehmen ihrer Töchter bei den Gelagen den Fremden gegenüber,Alles hatte nur den einen Zweck, recht viele Kanfleute insLand zu locken. Die judüischen Familien, welche schon früher
y Ezechiel 17,1 Jcsaia 47,15. Vgl. dazu O. U-nvliuson Ilis
live Uonaroliiss III, p. 445 fg.
2) Abydcmis bei Eusebius.