Druckschrift 
2 (1854)
Entstehung
Seite
281
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von dem ersten wilden Hauche der Liebe beseelt warund unter ihm zitterte — Zugend in allen Adern —Leidenschaft und kindliche Zärtlichkeit in jedem Ge-danken, hatten de» Ausdruck von Irenens Schönheitnicht geschwächt, aber verändert. Ihre Wange, welchenicht mehr jeden Augenblick die Farbe wechselte, hatteeine zarte, nachdenkliche Blässe — ihre Gestalt, mehrzu den Verhältnissen römischer Schönheit gerundet,hatte eine würdevolle, ruhige Haltung angenommen.Das rastlose Auge schweifte nicht mehr umher, umirgend einen Gegenstand seiner Neigung aufzusnchen;ihr Mund verzog sich zu keinem Lächeln über eine nochnicht eingestandene Hoffnung oder eine halb unbewußteErinnerung. Ein ernster, trauriger Ausdruck verliehihrem Antlitze (wie lieblich noch immer!) eine Würde,die ihrem Alter nicht gewöhnlich war. Die Blüthe,die Aufwallung, der April des Herzens war dahin;aber weder Zeit, noch Kummer, noch unglücklicheLiebe hatten ihren Zügen die seltene, cngclgleicheSanftmnth geraubt — auch nicht jene unaussprechlichejungfräuliche Bescheidenheit in Form und Ausdruck,welche im Gegensätze zu den kühneren SchönheitenItaliens mehr, als irgend etwas Anderes, für Adriandas Idol seines Herzens vor allen andern Weibernausgezeichnet hatte. Und als er jetzt seine Blicke andiesen dunkeln, tiefen Augen weidete, welche von Ge-danken zeugten, die weit hinweg und mit der Ver-gangenheit beschäftigt waren, fühlte Adrian wiederund wieder, daß er nicht vergessen war! Indem ersich ihr näherte und Einen nach dem Andern von derBulwer, Rienzi. N. IS