Druckschrift 
2 (1854)
Entstehung
Seite
129
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Sic fühlte nur jene unbeschreibliche Angst, welcheWenige von uns nicht zn kennen des Glück haben.Diese zermalmende Last, unter der wir kaum athmenoder uns rühren können, die schrecklich drohende La-wine über uns, der wir nicht entfliehen können, undunter der wir jeden Augenblick fürchten müssen be-graben und verschüttet zu werden. Das ganze Ge-schick des Lebens lag in der Hoffnung dieser einzigenNacht! Gerade als Adrian in einen tieferen, er-quickenderen Schlummer zn versinken schien, unter-brachen die Glocken deS Todtcnkarrens mit ihremunheimlichen Geläute die auffallende Stille in denStraßen. Bald verstummten sie, bald hörte man siewieder, je nachdem der Karren anhielt, um seineschauerliche Last aufzunehmen; nach jedem Halten kamer näher. Endlich hörte sie, wie die schweren Nä-der gerade unter dem Fenster hielten und eine tiefe,schwer vernehmliche Stimnke rief: „Bringt den Todtenheraus!" Sie stand auf und näherte sich mit geräusch-losem Schritte der Thüre, um diese zu schließen, alsdas dämmernde Licht auf die dunkeln, vermummtenGestalten der Becchini fiel.

„Ihr habt die Thüre nicht bezeichnet und auchden Leichnam nicht auSgesctzt," sagte der eine mür-risch; „aber cS ist die dritte Nacht! er ist fertigfür uns."

„Stille, er schläft — fort, geschwind, es ist nichtdie Pest, was ihn befalle» hat."

„Nicht die Pest?" brummte der Becchino inärgerlichem Tone, „ich dachte, keine andere Krank-