Druckschrift 
2 (1854)
Entstehung
Seite
99
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Dich! Wie lange ist es her, seit sie das Klosterverließ?"

„Vier Tage sind verflossen, seit die Räuber undBuhlerinnen von dem Hause der heiligen Maria Besitzgenommen haben," erwiderte die Nonne unter Seuf-zen, „und sic ersetzten die Schwesterschaft schnell."

„Vier Tage! — und Du kannst mir keinen wei-teren Aufschluß geben?"

„Keinen — doch halt, junger Mann!" und dieNonne dämpfte, als sie ihm näher kam, ihre Stimmezu einem leisen Flüstern, „frage die Bccchini."*

Adrian bebte zurück, bekreuzte sich eilig und ver-ließ das Kloster ohne eine weitere Erwiderung. Erbestieg sein Pferd wieder »nd ritt in das Innere derschweigenden Stadt zurück. Schenken und Gasthöfegab cs keine mehr, aber die Paläste der verstorbenenFürsten standen dem lebendigen Fremden offen. Ertrat in einen derselben — eine geräumige, glänzendeBehausung. In den Krippen der Ställe fand er nochFutter; aber die Pferde, zu jener Zeit in den StädtenItaliens ein Anzeichen von Stand und Reichthum,waren mit denen, welche sic gefüttert, dahin. Derhochgeborne Ritter unterzog sich dem Dienste des Stall-knechts, nahm das schwere Geschirr ab, band sei»

* Nach dem in Florenz üblichen Gebrauche wurden dieTobten durch Bürger von gleichem Range zu ihrer Ruhe-stätte getragen; aber die Pest hatte eine» neuen ErwerhS-zweig ins Leben gerufen, und Männer von der niedrigstenHefe des Volks unterzogen sich gegen ungeheure Bezahlungdem Dienste, die irdischen Reste der Opfer hinauszutragen.Diese nannte man Becchini.