düster» Anfällen fanatischer und mystischer Träumereiüber ihn kam — Anfälle, bei welchen er kein mensch-liches Auge, selbst Nina's nicht duldete, wenn sie ganzzum Ausbruche kamen. Und er »erließ jetzt wirklich,nach dem eine» kurzen, murmelnden Selbstgespräche,während dessen sein Antlitz so in Bewegung war, daßdie Adern an seinen Schläfen wie Stricke anliefen.Plötzlich das Zimmer und suchte die Privatkapelle,welche an sein Gemach stieß. Ueber die Gefühle, denener dort Raum gab, wollen wir einen Schleier werfen.Wer könnte die peinliche», gehcimnißvollen Augen-blicke beschreiben, wo der Mann mit all seinen feu-rigen Leidenschaften, stürmischen Gedanken, wildenHoffnungen und kleinmüthigen Besorgnissen in derEinsamkeit das Ohr seines Schöpfers aufsucht?
Lange nach dem »orige» Gespräche mit Nina,nachdem längst die Mitternachtsglocke geläutet hatte,stand Nienzi allein auf einem der Balkone seinesPalastes, um in dem Stcrnenlichte die Fieberglut zukühlen, die noch in seinem erschöpften Körper wü-thete. Die Nacht war ausnehmend ruhig, die Luft klar,aber kalt, denn es war Dccember. Er blickte auf-merksam empor nach den feierlichen Himmelskörpern,denen unsere schwärmerische Leichtgläubigkeit Vorher-»crkündung unseres Schicksales zuschrieb.
„Eitle Wissenschaft!" dachte der Tribun, „undtrübsinnige Einbildung, daß des Menschen Schicksalvon dem Augenblicke seiner Geburt an »orherbestimmt— unwiderruflich — unabänderlich sein soll! Doch,wäre dieser Traum nicht grundlos, so möchte ich