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„Fasse Muth, meine holde Schwester," sagte derTribun, der zuerst Irenens flehendem Blick begegnete;„nicht ein Haar auf dem Haupte derer, welche sichdes Namens Deines Geliebten rühmen, ist gekrümmt.— Danke dem Himmel," als seine Schwester miteinem schwachen Schrei in seine Arme stürzte, „daßes mein Leben war, gegen das sie sich verschworen!Wäre es ein anderer Römer, so wäre Gnade einVerbrechen gewesen! Theuerste, möge Adrian Dichnur halb so lieben, wie ich; und doch, meine Schwe-ster und mein Kind, kann Niemand Deine sanfteSeele kennen, wie ich, der ich, seit sie ihre ersteBlüte der Sonne entfaltete, über ihr wachte. Meinarmer Bruder! hätte er gelebt, Euer Rath wäreauch der seinige gewesen, und mich dünkt, sein sanfterGeist haucht oft die Härte hinweg, die mich sonstgefühllos machen könnte. Nina, meine Königin, dieDu mich begeisterst und ermahnst, — lasse immerDein Herz männlich in meiner Trübsal, weiblichgegenüber von meiner Macht sein, und sei mir mitIrenen auf Erden, was mein Bruder mir im Him-mel ist!"
Der Tribun zog sich, erschöpft von der nächtli-chen Untersuchung, auf einige Stunden zur Ruhe zu-rück; und als Nina, ihn mit ihren Armen umschlie-ßend, sein edles Antlitz betrachtete — da war dieSorge gestillt, der Ehrgeiz beruhigt, seine Heiterkeithatte beinahe etwas Erhabenes. Und Thränen jene«köstlichen Stolzes, wie sie das Weib für den Heldenihrer Träume vergießt, standen schwer in den Augen